Lösungen für eine faire Baumwollproduktion

  /  28.10.2021

Eine Case Study für die Baumwollproduktion nach dem SDG8 möchte aufzeigen, wie die Branche wirklich fair werden kann. Roland Stelzer von Cotonea berichtet…

Weltweit arbeiten laut Unicef rund 150 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren, oft, weil der Unterhalt ihrer Familie nicht reicht. Laut der International Labour Organisation ist die Billiglohn-Tendenz steigend – obwohl das allgemeine Bewusstsein sowie die Nachfrage nach fairen Produkten wachsen. Von den 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs) strebt das SDG8 den Aufbau einer nachhaltigen menschenwürdigen Arbeitswelt für alle an. „Das SDG-Ziel ist wichtig, aber in Wahrheit erhalten Kleinbauern meist nicht den Weltmarktpreis für Agrarprodukte“, sagt Roland Stelzer, Geschäftsführer der 2003 gegründeten Biobaumwollmarke Cotonea. „Die realen Preise für Rohstoffe aus der Landwirtschaft sind über Jahrzehnte im Vergleich zu anderen Rohstoffen nicht gestiegen, sondern gesunken.“

Die Lösung sei Bildung und Investment von Zeit und Geld. Stelzer gibt zu bedenken, dass zwar die Einhaltung ökologischer Standards im Labor messbar sei, aber dasselbe nicht für faire Arbeitsbedingungen gelte. Cotonea bezieht fast ausschließlich Baumwolle aus Anbauprojekten, die die Marke selbst mit aufgebaut hat und pflegt langjährige, vertrauensvolle Partnerschaften entlang der Herstellungskette. Vor mehr als zehn Jahren hat Cotonea zwei Anbauprojekte für Biobaumwolle mit entwickelt, eines in Kirgistan und eines in Uganda. Allein in Uganda leben laut Marke heute rund 40.000 bis 50.000 Menschen von dem Projekt.

Cotonea folgt nach eigenen Aussagen einer strategischen Kette von Maßnahmen, angefangen bei Schulungen, der Unterstützung bei der Bildung von Kooperativen über die Verbesserung der Lebensbedingungen insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Wasser und der Durchsetzung fairer Verträge bis zur Unterstützung der Kooperativen beim Verkauf ihrer Produkte und einer sicheren Ernte-Abnahme zu angemessenen Preisen. Die Einkommen liegen über dem Landesdurchschnitt. „Am Anfang schafft es ein junger Farmer in Uganda nicht, einen Hektar zu bearbeiten, und erzeugt 120 kg bis 150 kg Baumwolle. Das reicht bei weitem nicht. Bildung macht hier den entscheidenden Unterschied“, so Stelzer.

In den Cotonea-Projekten laufen ganzjährig Schulungen. Eine besondere Bedeutung haben die sogenannten Organic Farming Practices nach bestem Standard. Beispiele dafür sind: „Bodenvorbehandlung: Wie viele Saatkörner sind in welchem Abstand und in welcher Tiefe sinnvoll?“, „Schädlinge, Pflanzenkrankheiten und Gegenmaßnahmen“, „Ernten der Baumwolle und der richtige Zeitpunkt“, „Kontrollierter Anbau und Zertifizierung“, „Transport und Lagerung von Baumwolle“ sowie „Effizientes, kraft- und zeitsparendes Arbeiten“. Zudem geht es um den richtigen Umgang mit den Produkten sowie dem Einkommen und den Verkauf. Für vollständig ökologischen Anbau gelten auch höhere Preise, das sei ein wichtiger Aspekt.

Drei bis vier Jahre dauert es, bis sich der Erfolg einstellt, sagt Stelzer: „Geschulte Farmer schaffen dann 1,5 Hektar oder mehr und können ihren Ertrag vervielfachen: auf durchschnittlich 680 Kilogramm je Hektar, die besten schaffen über einen längeren Zeitraum dann sogar 1.600 Kilogramm. Schon mit einem durchschnittlichen Ertrag von 900 Kilogramm bei 1,5 Hektar erwirtschaftet ein Farmer ein überdurchschnittliches Einkommen von etwa 1.200 Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: In Uganda liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Person bei 912 Dollar für das Jahr 2020, ein Polizist verdient im Durchschnitt etwa 700 Dollar im Jahr.“ Generell sieht Stelzer in Afrika und der Subsahara großes landwirtschaftliches Potenzial. Wenn es gelinge, systematisch eine faire wirtschaftliche Ordnung aufzubauen, könnten sich auch entsprechende Rohstoffpreise für die Länder durchsetzen, die die Grundlage für eine menschenwürdige Arbeit bilden. Stelzer besucht die Projekte regelmäßig selbst. Darüber hinaus lässt Cotonea die Einhaltung der Auflagen von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft Ecocert IMO (Produktsiegel Fair For Live) kontrollieren.

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