K&L beantragt Schutzschirmverfahren

  /  10.10.2018

K&L hat einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Der September habe die bisherige positive Entwicklung auf den Kopf gestellt…

Die K&L GmbH & Co. Handels-KG (K&L) hat am 9. Oktober 2018 beim Amtsgericht Weilheim einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Durch die Nutzung der in der Insolvenzordnung vorgesehenen Sanierungsinstrumente soll die bereits im September 2017 eingeleitete Neuausrichtung des 1962 von Karl Ruppert gegründeten Unternehmens weiter forciert werden. „Wir haben in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahres trotz Problemen aus der Vergangenheit und der schwierigen Marktentwicklung den Abwärtstrend des Unternehmens gestoppt. Wir sind Like-for-Like 5% im Umsatz gewachsen und haben das Ergebnis zum Vorjahr um rund 4 Mio. Euro verbessert. Der September war aber im Gesamtmarkt eine Katastrophe, die dazu geführt hat, dass die bisherige positive Entwicklung und bisherige Planerreichung auf den Kopf gestellt wurden“, sagt Jens Bächle, der K&L im Zuge eines Management Buy-Outs mit Wirkung zum 1. September 2017 übernahm, nachdem er bis dahin als Finanzvorstand tätig war. „Um K&L dauerhaft wieder wettbewerbsfähig positionieren und solchen aktuellen Marktentwicklung standhalten zu können, braucht es eine Sanierung durch ein gesteuertes Insolvenzverfahren. Ziel ist es, den bereits begonnenen Restrukturierungsprozess verstärkt fortzuführen und das drohende Liquiditätsproblem langfristig zu lösen.“

Die Ursachen der finanziellen Schieflage seien neben Fehlern in der Vergangenheit die gravierenden Veränderungen innerhalb der Modebranche, die den hohen Wettbewerbsdruck verstärkt, auch durch den Onlinehandel, und zu Frequenz- sowie Umsatzrückgängen geführt haben. Bächle hatte im September 2017 damit begonnen, einen Restrukturierungsplan basierend auf den vorhandenen Gegebenheiten umzusetzen. Neben Kosteneinsparungen wurde etwa die Steigerung der Attraktivität und Flächenproduktivität durch die Aufnahme weiterer Partnermarken bei K&L forciert. Zudem wurde die eigene Einkaufsgesellschaft in Asien geschlossen und mit der Neuausrichtung der eigenen Kollektionen ab Herbst/Winter 2018 begonnen. Die eingeleiteten Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, gravierende Umsatzentwicklungen wie im September zu kompensieren. Immer noch ungünstige Kostenstrukturen, unter anderem auch bedingt durch langfristige Mietverträge, müssen weiter deutlich verbessert werden. Bis zuletzt führte die Geschäftsführung auch intensive Gespräche mit potenziellen Investoren. Jedoch konnte aufgrund der aktuellen Voraussetzungen keine zusätzliche Liquiditätsstärkung erzielt werden.

Bächle bleibt als Geschäftsführender Gesellschafter im Amt und führt die Sanierung in Eigenverwaltung fort. Zunächst wird der Sanierungsplan erstellt. Durch das Verfahren ist das Unternehmen vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und weiterhin voll handlungsfähig. Die operativen Geschäfte an den 57 Filialstandorten sollen während des Verfahrens ohne Einschränkungen weiterlaufen. Um den Sanierungsplan möglichst rasch und effektiv umzusetzen, bestellte die Gesellschafterversammlung neben Bächle als CEO Rechtsanwalt Dr. Christian Gerloff, Partner der Kanzlei Gerloff Liebler Rechtsanwälte in München, zum Geschäftsführer/Chief Restructuring Officer. Er sanierte neben Escada und Laurèl in jüngster Vergangenheit im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens auch Wöhrl.

Mit der Bestellung des Münchner Rechtsanwalts Oliver Schartl aus der auf Insolvenzverfahren spezialisierten Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Sachwalter ist das Gericht dem Vorschlag des Unternehmens gefolgt. Ein Eckpunkt der Restrukturierung ist die Senkung der Kosten und Verschlankung der Strukturen: Das Portfolio der 57 Filialen mit Flächen von 500 bis 3.200 qm wird derzeit überprüft. Zudem sind basierend auf den sich ergebenden Umsatzgrößen nach Schließung von Filialen die Strukturen in der Hauptverwaltung und Logistik anzupassen. Außerdem soll das Sortiment der elf Eigenmarken und der Partnermarken gestrafft werden. Die Maßnahmen umfassen unter anderem die Konzentration auf Kernlieferanten und -sortimente sowie den Ausbau der Zusammenarbeit mit Partnermarken. Darüber hinaus soll das Online-Geschäft, das derzeit rund 4% des Gesamtumsatzes ausmacht, optimiert werden. Zur Stärkung der Kapitalbasis und damit bestmöglichen Gläubigerbefriedigung hat die Gesellschaft eine strukturierte Investorensuche auf den Weg gebracht.

K&L ist ein vertikal ausgerichteter Modehändler und deckt die Wertschöpfungskette vom Design über die internationale Beschaffung bis hin zum eigenen Vertrieb ab. Das Unternehmen führt aktuell 57 Filialen im süddeutschen Raum und beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete man einen Umsatz von rund 116 Mio. Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2018 geht Bächle von etwa 120 Mio. Euro aus. 

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