Drei von vier Deutschen erwarten, dass Unternehmen offenlegen, wenn Produkte oder Dienstleistungen Künstliche Intelligenz nutzen. Das zeigt der aktuelle AI Monitor 2026 von Ipsos. Für Marken wird Transparenz damit zunehmend zur Vertrauensfrage – gerade dann, wenn KI in Werbung und Kundenansprache eingesetzt wird.
Bei klassischer Markenwerbung ist die Haltung nahezu ausgeglichen: 42 Prozent fühlen sich mit KI-generierten Inhalten wohl, 43 Prozent unwohl. Deutlich kritischer fällt die Bewertung personalisierter Werbung aus. Mit gezielten, durch KI erzeugten Werbebotschaften fühlen sich 51 Prozent unwohl, nur 36 Prozent bewerten deren Einsatz positiv. Die Zustimmung sank gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte.
Gleichzeitig geht die allgemeine Begeisterung für KI zurück. Nur noch 37 Prozent der Deutschen zeigen sich von KI-basierten Produkten und Dienstleistungen begeistert, nach 45 Prozent im Vorjahr. Ebenfalls 37 Prozent glauben, dass deren Vorteile überwiegen; 2025 waren es noch 49 Prozent. Genutzt wird die Technik trotzdem: 54 Prozent greifen bereits auf KI-Tools zurück. Nur 15 Prozent vertrauen deren Ergebnissen so weit, dass sie diese nicht überprüfen würden.
Für Markenkommunikation ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Eine weitere Ipsos-Untersuchung für den German Brand Award 2026 zeigt, dass KI-generierte Kampagnen nicht grundsätzlich schlechter ankommen. Teilweise wurden sie sogar sympathischer und aktivierender bewertet. Entscheidend ist demnach auch, ob Nutzer glauben, dass KI beteiligt war und wie transparent damit umgegangen wird. In Lifestyle-Bereichen wie Beauty, Reisen oder Bio-Lebensmitteln konnte eine Kennzeichnung die Kampagnenwirkung sogar verbessern.
Der Zeitpunkt ist für Unternehmen zusätzlich relevant: Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Acts. Sie betreffen unter anderem bestimmte KI-generierte oder manipulierte Inhalte und sollen deren Erkennbarkeit verbessern. Eine pauschale sichtbare Kennzeichnungspflicht für jede mit KI erstellte Werbeanzeige lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Für den AI Monitor befragte Ipsos zwischen dem 20. März und 3. April 2026 insgesamt 23.532 Erwachsene in 32 Ländern, darunter rund 1.000 Personen in Deutschland. Die ergänzende Studie zur KI-Kennzeichnung basiert auf 1.160 online-repräsentativ Befragten zwischen 16 und 55 Jahren im Mai 2026.
Key Facts
Studie: Ipsos AI Monitor 2026
Deutschland: rund 1.000 Befragte
Transparenz: 75 Prozent fordern Offenlegung des KI-Einsatzes
KI in Markenwerbung: 42 Prozent fühlen sich damit wohl, 43 Prozent unwohl
Personalisierte KI-Werbung: 36 Prozent Zustimmung, 51 Prozent Ablehnung
KI-Begeisterung: von 45 auf 37 Prozent gesunken
KI-Nutzung: 54 Prozent nutzen bereits KI-Tools
Ungeprüftes Vertrauen: 15 Prozent
EU AI Act: Transparenzpflichten nach Artikel 50 seit 2. August 2026 anwendbar
