Im laufenden Tarifverfahren im Einzelhandel zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite geht es derzeit nur schleppend voran. Die in den Fokus geratenen Unternehmen wie Kaufhof und Real haben sich nun entschieden, die Tarifentgelte bundesweit um 2,5% anzuheben. Im Zuge dessen bekommen bei Real rund 35.000 und bei Kaufhof in etwa 20.000 Mitarbeiter je nach Tarifgebiet entweder zum 1. August, zum 1. September, zum 1. Oktober oder rückwirkend ab dem 1. Juli dieses Jahres mehr Geld.
Die Tochterunternehmen der Metro AG behalten sich jedoch vor, die „freiwillige“ Entgelterhöhung auf einen späteren Tarifabschluss anzurechnen. Zudem sollen die Ausbildungsvergütungen ebenfalls um den gleichen Prozentsatz angehoben werden. Die Arbeitgeberverbände hatten zuvor Angebote mit zwei Stufen von 2,5% in diesem und 1,5% im nächsten Jahr vorgelegt, was jedoch mit Forderungen – unter anderem nach flexibleren Arbeitszeitregelungen – einhergeht.
Ver.di hingegen ist der Meinung, dass die Arbeitgeber nur darauf hoffen, dass durch die „Vorweganhebung der Entgelte um 2,5% nach drei Null-Monaten wieder Ruhe bei den Beschäftigten einkehrt“. Die Gewerkschaft glaubt, es sei weiterhin das Ziel eine „Zweiklassengesellschaft“ zu schaffen, in der die neuen Beschäftigten bei Real und Galeria Kaufhof künftig Tätigkeiten zu deutlich niedrigeren Entgelten leisten müssen, als es die Flächenverträge des Einzelhandels heute vorsehen. Die Forderungen bleiben unverändert zunächst die Wiederinkraftsetzung der Manteltarifverträge in der bisherigen Fassung und anschließend die Entgelterhöhung, die „diesen Namen verdient“. Erst danach wäre eine Aufnahme der Verhandlungen zu machbaren, strukturellen Veränderungen der Tarifverträge sinnvoll und möglich.
