JD.com hat im zweiten Quartal 2026 erstmals seit dem Börsengang 2014 einen Umsatzrückgang verbucht. Die Erlöse sanken um 2,9 Prozent auf 346,4 Mrd. Yuan (rund 44,5 Mrd. Euro). Im Vorjahresquartal waren es 356,7 Mrd. Yuan (rund 45,9 Mrd. Euro). Der Rückgang betrifft vor allem das Geschäft mit Elektronik und Haushaltsgeräten, dessen Umsatz um 11,8 Prozent nachgab.
CEO Sandy Xu verweist auf die hohe Vergleichsbasis des Vorjahres und gestiegene Rohstoffkosten. Seit Juni habe sich die Entwicklung allerdings bereits verbessert. Für das zweite Halbjahr rechnet JD.com wieder mit stärkerem Wachstum bei Elektronik und Haushaltsgeräten, auch wenn höhere Preise die Nachfrage weiter bremsen könnten.
Beim Gewinn entwickelte sich das Quartal deutlich besser. Der Nettogewinn stieg von 6,2 Mrd. Yuan (rund 800 Mio. Euro) auf 7,1 Mrd. Yuan (rund 910 Mio. Euro). Bereinigt erreichte JD.com 8,9 Mrd. Yuan (rund 1,14 Mrd. Euro) und damit rund 20 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Parallel richtet der chinesische Handelskonzern den Blick stärker auf Europa. Im März startete JD.com seine Plattform Joybuy in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Das Angebot umfasst mehr als 100.000 Produkte aus Bereichen wie Technik, Haushaltsgeräte, Beauty, Wohnen und Lebensmittel. Schnelle Lieferung soll dabei zu den wichtigsten Argumenten gegenüber etablierten Wettbewerbern gehören.
Noch deutlich größer wäre der Schritt mit der geplanten Übernahme von Ceconomy. JD.com hatte sich 2025 mit dem Elektronikhändler auf einen Deal im Volumen von rund 2,2 Mrd. Euro verständigt. Zu Ceconomy gehören MediaMarkt und Saturn mit einem umfangreichen europäischen Filialnetz. Damit würde JD.com auf einen Schlag eine deutlich stärkere stationäre Präsenz in Europa erhalten.
Der Deal ist allerdings noch nicht durch. Die EU-Kommission prüft die Übernahme vertieft nach der Foreign Subsidies Regulation. Sie untersucht, ob mögliche staatliche Unterstützung aus China JD.com einen Vorteil bei der Transaktion verschafft haben könnte. JD.com weist diese Bedenken zurück und erklärt, die Übernahme werde aus privaten Bankkrediten und eigenen Mitteln finanziert. Die EU-Kommission will spätestens am 2. Oktober 2026 entscheiden.
Damit treffen bei JD.com derzeit zwei Entwicklungen aufeinander: Im chinesischen Heimatmarkt endet erstmals seit dem Börsengang die lange Serie stetig steigender Quartalsumsätze, während der Konzern gleichzeitig seine Expansion in Europa vorantreibt. Joybuy schafft dabei bereits eine eigene Plattform, mit Ceconomy könnte zusätzlich ein großes stationäres Netz hinzukommen.
Key Facts
Unternehmen: JD.com
Zeitraum: zweites Quartal 2026
Umsatz: 346,4 Mrd. Yuan, rund 44,5 Mrd. Euro
Umsatzentwicklung: minus 2,9 Prozent
Vorjahresumsatz: 356,7 Mrd. Yuan, rund 45,9 Mrd. Euro
Nettogewinn: 7,1 Mrd. Yuan, rund 910 Mio. Euro
Bereinigter Nettogewinn: 8,9 Mrd. Yuan, rund 1,14 Mrd. Euro
Elektronik und Haushaltsgeräte: Umsatz minus 11,8 Prozent
Europa-Plattform: Joybuy
Joybuy-Märkte: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Belgien und Luxemburg
Geplante Übernahme: Ceconomy für rund 2,2 Mrd. Euro
Ceconomy-Marken: MediaMarkt und Saturn
EU-Entscheidungsfrist: 2. Oktober 2026
