HDE und Ver.di: Kontroversen

  /  19.07.2013

„Konkrete Angebote“ sollen laut HDE im Tarifstreit mit Ver.di vorliegen, die Gewerkschaft sieht diese als Gegenforderungen… Die Konsequenz?

Die so genannte Verweigerungshaltung Ver.dis gegenüber der Modernisierung der veralteten Tarifverträge stößt im Einzelhandel auf Kritik. Trotz der Forderung im Januar dieses Jahres, in der Tarifrunde in konstruktive Gespräche einzutreten und sich zu den konkret vorliegenden Angeboten der Erhöhung der Entgelte um 2,5% in 2013 und 1,5% in 2014 zu äußern, ist die Gewerkschaft nicht bereit, heißt es seitens des Handelsverbands Deutschland (HDE). Diese „konkret vorliegenden Angebote“ sind laut Ver.di in Wahrheit Gegenforderungen, die zu drastischen Verschlechterungen der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen der Beschäftigten führen würden. Handelskonzernen ginge es insbesondere darum, „Arbeit auf Abruf durchzusetzen“, obwohl schon heute die Teilzeitbeschäftigten für 20 Wochenstunden bezahlt, jedoch für mindestens 70 oder weitaus mehr Stunden Öffnungszeit verfügbar sein müssten.

Für den Einzelhandel belege der stetige Rückgang der Tarifbindung in eben diesem, „dass die nun über zehnjährige Politik von Ver.di, in den Verhandlungen alleine über Entgelterhöhungen zu verhandeln, in eine Sackgasse führt“, so der Vorsitzende des tarifpolitischen Ausschusses des HDE, Ulrich Köster. Dieser Umstand habe nicht nur für Empörung beim Handelsverband Deutschland gesorgt, der Ver.di zu Beginn 2013 „destruktives Verhalten“ vorwarf, sondern habe angeblich auch bei den Arbeitnehmern nur noch wenig Anklang gefunden. Ver.di hingegen sehe den erneuten Angriff als eine Fortsetzung des Konfrontationskurses und beklagt den Umstand, dass der Einzelhandel seit langem ein ernsthaftes Bemühen, um die Vorraussetzungen für einen Branchenmindestlohn zu schaffen, verweigere. „Damit will der Verband noch mehr prekäre Arbeitsverhältnisse im Einzelhandel und nimmt dabei auch billigend Lohndumping in Kauf“, kritisierte Stefanie Nutzenberger, Ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

Nach bisherigem Diskussionsstand der regionalen Tarifkommissionen soll für das Frühjahr 2013 lediglich eine Entgeltrunde für den Einzelhandel und keine zusätzlichen Manteltarifverhandlungen vorgesehen gewesen sein. Nun werde man sich auf die neue Situation einstellen müssen, heißt es seitens der Gewerkschaft. „Die einzig richtige Antwort auf diesen Arbeitgeberangriff auf die Tarifverträge werden die Beschäftigten geben“, kündigte Nutzenberger an.
Ver.di ist nach wie vor an einer sinnvollen Reform der Entgeltstrukturen im Einzelhandel interessiert, heißt es seitens der Gewerkschaft auf Nachfrage. Ein erstes, gemeinsam mit den Arbeitgebern im vergangenen Jahr entwickeltes Modell wurde in einem Pilotversuch auf seine praktischen Auswirkungen überprüft. Dabei soll sich jedoch herausgestellt haben, dass ein großer Teil der Beschäftigten, zum Beispiel Kassiererinnen, finanziell deutlich schlechter gestellt worden wäre. „Ver.di geht es allerdings darum, dass die Übertragung veränderter Arbeits- und Tätigkeitsanforderungen in das System der tariflichen Gehaltsgruppen auch die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt, die etwa unter dem wachsenden Druck von Personalausdünnung in den Filialen und Geschäften leiden“, so Christoph Schmitz, Pressesprecher Ver.di-Bundesvorstand.

In der aktuellen Tarifauseinandersetzung wolle man zunächst die Lohnrunde abschließen, weil sich die Kernarbeitsbedingungen nicht nebenbei verhandeln ließen, dafür benötige man jedoch Zeit.

Drastische Änderungen bei verschiedenen Arbeitgebergruppen wie beispielsweise den Kassiererinnen oder bei der Warenverräumung, die bis zu 50% weniger verdienen sollen, sowie Kürzungen bei den Nacht- und Spätzuschlägen machten auch die Beschäftigten nicht mit, wie die Streiks im Einzelhandel aktuell bewiesen, glaubt die Gewerkschaft.

Darüber hinaus steht nach wie vor die Haltung von Unternehmen wie Karstadt verstärkt in der Kritik. So fand am 11. Juli dieses Jahres die erste Sitzung der Bundestarifkommission Karstadt und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft statt, bei der die einstimmige Entscheidung gefallen sein soll, die Karstadt-Geschäftsführung umgehend zu Tarifverhandlungen aufzufordern. Der Konzern war – so Ver.di – aus den Flächentarifverträgen „geflüchtet“ und habe damit viele Beschäftigte vor den Kopf gestoßen.

FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN INHALT DIESER SEITE, MELDEN SIE SICH BITTE AN.

Noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt für den kostenfreien 1st-blue-Business Club.
Als Teil unserer Community erhalten Sie Zugriff auf Branchen-News, Orderinfos, Netzwerktools und den wöchentlichen B2B-Newsletter.