Greenpeace: Giftstoffe in 80% der Shein-Produkte

  /  09.03.2026

„Schäm dich, Shein“, heißt es laut Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation hat in 80% der geprüften Produkte gefährliche Chemikalien gefunden, erneut…

©Julius Schrank / Greenpeace

Der Online-Modehändler Shein verkauft laut einer neuen Greenpeace-Recherche weiterhin mit gefährlichen Chemikalien belastete Kleidungsstücke. Das Bremer Umweltinstitut hat im Auftrag der Umweltschutzorganisation im Januar dieses Jahres 31 Kleidungsstücke getestet und in 25 davon „teils massiv überschrittene“ Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung festgestellt. Dabei habe es sich um identische oder sehr ähnliche Produkte gehandelt wie bei einem Greenpeace-Test im November 2025, die laut Shein nicht mehr verfügbar sein sollten. 

Greenpeace hatte vor rund drei Monaten unter anderem die Weichmacher Phthalate sowie die „Ewigkeitschemikalie“ PFAS in „viel zu hoher Konzentration“ nachgewiesen. Shein hatte daraufhin angekündigt, die entsprechenden Artikel vom Markt zu nehmen und erklärte, Produktsicherheit sowie EU-Standards hätten oberste Priorität, habe aber letztlich nur die von Greenpeace beanstandeten, konkreten Produktnummern entfernt. „Sheins Dreistigkeit ist erschütternd. Vor dem EU-Parlament verspricht der Konzern, Verbraucher:innen zu schützen – doch in Wahrheit verkauft Shein massiv belastete Produkte einfach weiter“, sagt Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft. „Shein ignoriert unsere Warnungen sowie gesetzliche Grenzwerte und nimmt Schäden für Mensch und Umwelt billigend in Kauf. Dieses Verhalten ist grob fahrlässig.“

Unter den 25 im Januar getesteten, belasteten Produkten seien vier komplett identische Produkte, beispielsweise eine Outdoor-Jacke und Sandalen, zum ersten Test. Die gefährlichen Chemikalien überschritten die EU-Grenzwerte teilweise bis um das 3115-fache. Der Verkauf dieser Produkte sei in der EU verboten und Shein als sehr große Online-Plattform nach dem Digital Services Act dazu verpflichtet, den Verkauf illegaler Produkte auf seiner Plattform zu unterbinden. 

Greenpeace konnte in der Kleidung, unter anderem auch Kinderkleidung, potenziell giftige Chemikalien oberhalb der EU-Grenzwerte nachweisen, die mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht wurden, darunter Krebs, Fortpflanzungsstörungen und Wachstumsstörungen bei Kindern sowie einer Schwächung des Immunsystems. Durch das D2C-Prinzip liefert Shein die Ware direkt aus China an Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU. Rechtlich gelten diese damit als Importierende – und tragen formal die Verantwortung dafür, dass die Produkte den EU-Grenzwerten entsprechen, so Greenpeace. So entziehe sich Shein der Haftung nach dem EU-Chemikalienrecht. Um solche Praktiken zu verhindern, müsse das EU-Chemikalienrecht ohne Schlupflöcher für alle in der EU zu erwerbenden Produkte gelten. Anbieter, die wiederholt gegen EU-Vorgaben verstoßen, müssten sanktioniert und vom Markt ausgeschlossen werden. Außerdem fordert Greenpeace ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild. 

„Der Fall Shein zeigt: Freiwillige Versprechen dieser Unternehmen sind zu wenig und nichts wert. Solange Fast-Fashion-Konzerne mit Wegwerfmode und gefährlichen Chemikalien Profite machen können, braucht es klare gesetzliche Grenzen“, so Jäger-Roschko. „Ein wirksames Anti-Fast-Fashion-Gesetz muss Überproduktion eindämmen, Werbung für Billigmode begrenzen und Hersteller endlich in die Verantwortung nehmen.“

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