Gina Tricot: Rückzug aus Deutschland?

  /  29.06.2020

Die Gina Tricot GmbH hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Laut Mutterkonzern will man sich stationär aus Deutschland zurückziehen...

Gina Tricot-Store Copenhagen

Gina Tricot wird hierzulande die stationären Shops schließen und will sich künftig auf die Filialen in den Kernmärkten Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark fokussieren sowie das E-Commerce-Geschäft ausbauen. Gina Tricot AB habe die Distribution über das deutsche Filialnetz über einen langen Zeitraum unterstützt und der deutschen Tochtergesellschaft geholfen, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, darunter Sparprogramme, Verhandlungen mit Vermietern sowie lokal angepasste Sortimente und angepasstes Marketing. Die Corona-Pandemie hätte sich jedoch weiter erheblich auf das deutsche Geschäft ausgewirkt, weshalb der Vorstand von Gina Tricot schließlich beschlossen habe, den Vertrieb über die deutschen Filialen einzustellen. Das langfristige Ziel der Modekette sei uns nun, deutsche Verbraucher über E-Commerce-Plattformen und Einzelhändler zu erreichen, eine Strategie, die sich in den letzten Jahren in anderen Märkten als erfolgreich erwiesen habe.

„Deutschland hat lange Zeit einen Abwärtstrend verzeichnet. Darüber hinaus hat die rasche Ausbreitung des Corona-Virus Konsequenzen für den Einzelhandel gehabt. […] Die Geschäftsführung der deutschen Tochtergesellschaft wurde informiert und wir gehen davon aus, dass sie nun die notwendigen Schritte für eine Liquidation unternehmen werden. Gleichzeitig unternehmen wir Schritte, um den Rest der Organisation an die aktuelle Situation anzupassen […]“, sagt CEO Ted Boman. Die Entscheidung, sich vom deutschen Markt zurückzuziehen, und die daraus resultierende Liquidation führen dazu, dass neun Filialen geschlossen und 35 festangestellte Mitarbeiter hierzulande entlassen werden. Andere Märkte sind laut Unternehmen nicht betroffen.

Update, 29. Juni 2020: Die Gina Tricot GmbH mit Sitz in Düsseldorf hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das zuständige Amtsgericht Düsseldorf Rechtsanwalt Dr. Gregor Bräuer, Partner der Sozietät hww hermann wienberg wilhelm, bestellt. Die Löhne und Gehälter der betroffenen rund 70 MitarbeiterInnen seien durch Kurzarbeitergeld und für drei Monate über das Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

„Nach einer ersten Bestandsaufnahme sind wir vorsichtig optimistisch, dass sich Sanierungschancen im Insolvenzverfahren nutzen lassen“, teilt Bräuer mit. „Die gute Nachricht für alle Mitarbeiter und Kunden ist dabei zunächst einmal, dass der Geschäftsbetrieb bis auf weiteres aufrechterhalten werden kann. Dadurch verbessern sich die Chancen für eine Sanierung deutlich.“  Bräuer und sein Team wollen zeitnah das Gespräch mit potenziellen Investoren suchen. Die schwedische Konzernmutter habe Bräuer bereits signalisiert, die Fortführung und Sanierungsbemühungen zu unterstützen.

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