Galeria beantragt erneut Insolvenz

  /  02.10.2026

Vorspann: Galeria hat erneut Insolvenz beantragt. Frank Kebekus ist vorläufiger Insolvenzverwalter. Die Zukunft der 83 Warenhäuser bleibt offen…

Galeria hat am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Betrieb in den 83 Warenhäusern soll zunächst weiterlaufen. Zu möglichen Schließungen, dem weiteren Warenbezug und den Zahlungsbedingungen für Lieferanten machte das Unternehmen zunächst keine Angaben.

Für Galeria ist es der vierte Insolvenzantrag seit April 2020. Der erste fiel in die Anfangsphase der Corona-Pandemie. Das damalige Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof beantragte ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung. Im Zuge der Sanierung schlossen rund 40 Häuser, etwa 4.000 Stellen wurden gestrichen.

Am 31. Oktober 2022 folgte das zweite Schutzschirmverfahren. Galeria verwies damals auf hohe Energiekosten, Inflation und eine zurückhaltende Konsumstimmung. Im März 2023 kündigte das Unternehmen zunächst die Schließung von 52 der damals 129 Warenhäuser an. Die Schließungsplanung wurde anschließend mehrfach angepasst.

Der dritte Antrag wurde am 9. Januar 2024 beim Amtsgericht Essen gestellt. Vorausgegangen war die Insolvenz der damaligen Muttergesellschaft Signa. Im Sommer 2024 übernahmen NRDC Equity Partners und eine Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz Galeria. Neun der damals noch 92 Warenhäuser wurden geschlossen.

Die erneute Krise folgt auf mehrere Monate mit Liquiditätsproblemen. Im April 2026 berichteten Vermieter über ausbleibende Mietzahlungen. Im Juni erhielt Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Mio. Euro bei Gordon Brothers. Sie sollte unter anderem einen bestehenden Kredit ablösen und offene Mieten begleichen. Die Finanzierung war an einen dreijährigen Sanierungsplan geknüpft.

Im Juli stellte Galeria 33 der 83 Häuser wegen ihrer Ertragskraft und Mietbelastung auf den Prüfstand. Die betroffenen Standorte wurden damals benannt. Mit den Vermietern sollten Mietkonditionen und Flächenanpassungen verhandelt werden. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, erklärte das Unternehmen. Daraus ergibt sich jedoch noch keine bestätigte Schließungsliste für das aktuelle Verfahren.

Konkrete Gründe für den erneuten Insolvenzantrag nannte Galeria zunächst nicht. Nach Angaben des Unternehmens soll der Antrag die Voraussetzungen schaffen, um die wirtschaftliche Lage zu ordnen und Galeria zu stabilisieren.

Update vom 4. Oktober 2026

Handelsexperten sehen eine mögliche Fortführung von Galeria mit deutlich weniger Häusern und einem veränderten Konzept. Johannes Berentzen von der BBE Handelsberatung hält 40 bis 50 Standorte unter einem geeigneten Eigentümer und mit einer klareren Positionierung für fortführungsfähig. Als Vollsortimenter im bisherigen Umfang sieht er dagegen keine Zukunft. Seine Einschätzung hatte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur geäußert.

Carsten Kortum, Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, hält eine Fortführung ebenfalls für möglich. Voraussetzungen seien wirtschaftlich tragfähige Häuser, ein klares Sortimentsprofil und ausreichend Eigenkapital für Modernisierungen. Eine weitere Sanierung, die hauptsächlich auf Forderungsverzicht und Kostensenkungen setze, dürfte nach seiner Einschätzung kaum ausreichen. Die Aussagen beider Experten sind keine Entscheidungen über das künftige Filialnetz.

Update vom 5. Oktober 2026

Das Amtsgericht Düsseldorf hat Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Eine Gerichtssprecherin bestätigte die Bestellung am 5. Oktober gegenüber Reuters. Damit befindet sich Galeria im vorläufigen Insolvenzverfahren. Das Insolvenzverfahren selbst ist damit noch nicht eröffnet.

Kebekus ist laut Gerichtsbeschluss unter dem Aktenzeichen 502 IN 258/26 ermächtigt, Bankguthaben und weitere Forderungen des Unternehmens einzuziehen sowie eingehende Gelder entgegenzunehmen. Er begleitete bereits die Verfahren von 2020 und 2022 als Sachwalter.

Der Betrieb der 83 Warenhäuser soll zunächst weiterlaufen. Welche Standorte erhalten bleiben, ist weiterhin offen. Auch über Insolvenzgeld für die rund 12.000 Beschäftigten liegt noch keine bestätigte Entscheidung vor. Nach dem letzten Verfahren besteht weiterhin eine Planüberwachung durch das Amtsgericht Essen. Ob erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann, muss deshalb gesondert geprüft werden. Konkrete Angaben zum weiteren Warenbezug und zu Zahlungsbedingungen für Lieferanten enthalten die vorliegenden Meldungen nicht.

Key Facts
Unternehmen: Galeria
Sitz: Düsseldorf
Aktueller Insolvenzantrag: 2. Oktober 2026
Gericht: Amtsgericht Düsseldorf
Aktenzeichen: 502 IN 258/26
Status: vorläufiges Insolvenzverfahren; Insolvenzverfahren selbst noch nicht eröffnet
Vorläufiger Insolvenzverwalter: Frank Kebekus; Bestellung am 5. Oktober 2026 öffentlich bestätigt
Warenhäuser: 83
Beschäftigte: rund 12.000
Geschäftsbetrieb: soll zunächst weiterlaufen
Standortschließungen im aktuellen Verfahren: bislang keine bestätigte Entscheidung
Insolvenzgeld: weiterhin offen
Insolvenzanträge seit 2020: vier
Eigentümer seit Sommer 2024: NRDC Equity Partners und Beteiligungsgesellschaft von Bernd Beetz
Kreditlinie Juni 2026: bis zu 160 Mio. Euro von Gordon Brothers
Standortprüfung seit Juli 2026: 33 Warenhäuser

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