Freitag geht einen neuen Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft und schickt den ersten zirkulären Rucksack in Produktion. Was mit dem Verwenden von ausgedienten LKW-Planen als Taschen und Accessoires begann, soll immer mehr in geschlossene Kreisläufe ohne Abfall münden. „Es reicht nicht, Produkte zu entwickeln, die rezykliert werden können. Wir müssen Produkte ganzheitlich, mit ihrem Lebensende im Blick, konzipieren und dafür sorgen, dass alles, was kreislauffähig ist, auch tatsächlich in den Kreislauf zurückkommt“, sagt Anna Blattert, Circular Technologist bei der Marke.
Um den Recyclingprozess möglichst einfach zu gestalten und die reale Recyclingquote maximal hoch zu halten, setzt das Label hier auf Monomaterialität. Nach einer Material- und Marktanalyse hat sich die Marke für Polyamid 6 – kurz PA6 – entschieden. Der Kunststoff sei vielseitig einsetzbar, eigne sich für belastbare Produkte und lasse sich besonders gut rezyklieren. Blattert: „Es ging uns nie um simple Tragetaschen, sondern um funktionale, langlebige und nicht zuletzt auch wasserabweisende Freitag-Produkte aus nur einem Material. Dass die Reduktion von Materialien die Komplexität dieses Projektes – vor allem bei der Beschaffung – derart erhöhen würde, hatten wir nicht erwartet.“
Die Entwicklung eines wasserdichten Stoffs aus Polyamid 6 hat Freitag selbst in die Hand genommen. Zusammen mit einem taiwanesischen Partner aus der Textilindustrie hat man versucht, einen dreilagigen, laminierten Stoff herzustellen, bei dem das Lining, die wasserdichte Membrane sowie der Außenstoff aus PA6 bestehen. Nach etwas mehr als zwei Jahren und mehreren Testrunden, unter anderem mit der Ingenieurfakultät der Hochschule für angewandte Wissenschaften Albstadt-Sigmaringen, überzeugte der Stoff schließlich in den Tests auf Langlebigkeit und Wasserundurchlässigkeit. Der neue Rucksack wurde in Co-Creation mit Jeffrey Siu, einem jungen Designer aus England, entwickelt: „Das Material Polyamid 6 kann sehr unterschiedliche Formen annehmen, es kann robust oder weich sein, zu einem Mesh oder einem wasserdichten Textil werden. Diese Vielfalt eines einzigen Materials in einem Rucksack zu vereinen und gleichzeitig den Kern von Freitag mit velotauglichen Produkten weiterzutragen, war unglaublich spannend und herausfordernd.“
Kleine Bestandteile des Modells, wie die Klebepunkte der Laminierung sowie die Druckfarbe des Innenlabels, bestehen nicht aus PA6; dem Schieber des Reißverschlusses sind zur Verstärkung Glasfasern beigemischt. Die Anteile konnten laut Freitag aber so geringgehalten werden, dass auch mechanisches Recycling möglich sein werde. Beim Katz Aarau, der Kunststoff-Technologie-Plattform der Schweiz, wurden die kompletten Prototypen zunächst in einer Schneidmühle zerkleinert und zu PA6-Granulat extrudiert.
Nach der Bestätigung der mechanischen Rezyklierbarkeit hat Freitag den ersten Produktionsbatch von Mono[PA6] in Auftrag gegeben. Die ersten 1.500 Exemplare werden aus Virgin-PA6, also aus nicht rezykliertem Material, bestehen und voraussichtlich im Frühling 2024 zusammen mit einem Reparaturkonzept und einem Take-Back-Prozess verfügbar sein. Wenn alle lebensverlängernden Services ausgeschöpft sind, gelangt das Produkt so wieder in den offen geführten Materialkreislauf zurück.
Freitag launcht kreislauffähigen Rucksack
/ 29.06.2023Freitag hat einen kreislauffähigen Rucksack ohne LKW-Plane aus einem Monomaterial designt: PA6. Den wasserdichten Stoff hat die Marke selbst entwickelt…

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