Der Machtkampf um Hugo Boss geht in die nächste Runde. Frasers Group hat seine Beteiligung nach Ablauf der zusätzlichen Annahmefrist auf 47,89 Prozent erhöht. Damit hält der britische Handelskonzern inzwischen 33,05 Mio. Hugo-Boss-Aktien und rückt der 50-Prozent-Marke sehr nahe.
Das freiwillige Übernahmeangebot läuft seit Juni. Frasers bietet den übrigen Aktionären 38 Euro je Aktie. Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss hatten das Angebot nach Prüfung einstimmig als finanziell unzureichend bewertet und den Aktionären empfohlen, ihre Anteile nicht anzudienen. Der Preis entspreche nicht den eigenständigen Perspektiven und dem langfristigen Wertpotenzial des Unternehmens.
Trotz dieser klaren Ablehnung hat Frasers seinen Einfluss deutlich ausgebaut. Im Rahmen des Angebots wurden dem Konzern weitere 12,2 Mio. Aktien beziehungsweise 17,62 Prozent des Grundkapitals angedient. Die reguläre Annahmefrist endete am 27. Juli, die zusätzliche Frist am 13. August. Seit der Freigabe durch die EU-Kommission Ende Juli ist das Angebot zudem nicht mehr an regulatorische Bedingungen geknüpft.
Mit knapp 48 Prozent wird Frasers für die künftige Strategie und größere Entscheidungen bei Hugo Boss immer schwerer zu umgehen. Eine formale Mehrheit bedeutet die Beteiligung noch nicht. Der Druck auf Management und Aufsichtsrat steigt aber deutlich.
Brisant bleibt auch die personelle Ebene. Frasers-CEO Michael Murray sitzt bereits im Aufsichtsrat von Hugo Boss. Medienberichten zufolge prüft Frasers Möglichkeiten, Murray künftig auch an die Spitze des Modekonzerns zu bringen. Beschlossen ist ein solcher Wechsel bislang nicht.
Der wachsende Einfluss trifft Hugo Boss in einer ohnehin schwierigen Phase. Im zweiten Quartal sank der währungsbereinigte Umsatz um neun Prozent, in Berichtswährung sogar um zehn Prozent auf 905 Mio. Euro. Das EBIT ging auf 59 Mio. Euro zurück. Für das Gesamtjahr erwartet Hugo Boss weiterhin einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.
Key Facts
Unternehmen: Hugo Boss
Großaktionär: Frasers Group
Aktueller Anteil: 47,89 Prozent
Aktien im Besitz von Frasers: 33,05 Mio.
Im Übernahmeangebot angedient: 12,2 Mio. Aktien beziehungsweise 17,62 Prozent
Angebotspreis: 38 Euro je Aktie
Start des Übernahmeangebots: Juni 2026
Ende der zusätzlichen Annahmefrist: 13. August 2026
EU-Freigabe: erteilt
Position Hugo Boss: Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen einstimmig die Ablehnung
Frasers-CEO: Michael Murray
Hugo-Boss-CEO: Daniel Grieder
