Finanzchefs sehen Modebranche in Strukturkrise

  /  14.08.2026

Schwache Umsätze, steigende Kosten, wenig Käufer: Eine Roland-Berger-Studie zeigt, wie tief der Umbau der Fashionbranche inzwischen reicht…

Die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Fashion- und Lifestyle-Branche schwindet. Für den aktuellen „CFO Pulse Survey 2026“ hat Roland Berger im April 35 Finanzverantwortliche führender Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. 83 Prozent rechnen im laufenden Jahr mit stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen. Ebenso viele sehen die anhaltende Konjunkturschwäche als größte Herausforderung.

Die Roland Berger Studie sieht darin inzwischen mehr als ein vorübergehendes Konjunkturtief. Internationale Plattformen, vertikal integrierte Wettbewerber und junge Marken erhöhen den Druck, während Nachfrage und Kostenentwicklung gleichzeitig belasten. Auch Premium und Luxus verlieren an Dynamik: 60 Prozent der Befragten erwarten eine Verschlechterung im Premiumsegment, 43 Prozent im Luxusbereich.

Entsprechend verschieben sich die Prioritäten in den Unternehmen. Liquiditätsplanung und Programme zur Verbesserung von Kosten und Ergebnis stehen mit jeweils 63 Prozent der Nennungen ganz oben auf der Agenda. Gleichzeitig halten 83 Prozent eine grundlegende Restrukturierung für notwendig – deutlich mehr als noch zuvor.

Viele Unternehmen sind bereits aktiv geworden. 86 Prozent setzen Restrukturierungsprogramme um. Bei 92 Prozent zeigen die Maßnahmen bereits messbare Auswirkungen auf Ergebnis und Profitabilität. Allerdings laufen 43 Prozent der Programme langsamer als geplant. Als größte Hürden nennen die Befragten fehlende interne Kapazitäten, unzureichendes Veränderungsmanagement und fehlendes Know-how.

Roland-Berger-Senior-Partner Benjamin Rassler warnt deshalb davor, Restrukturierung mit echter Transformation gleichzusetzen: „Kostenprogramme schaffen Zeit – nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit entsteht erst durch ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell.“

Zusätzlicher Druck kommt von der Kostenseite. Bei Energie und Logistik rechnen die Finanzverantwortlichen mit Steigerungen von rund sechs Prozent. Gleichzeitig beurteilt die Hälfte der Befragten die Haltung ihrer Finanzierungspartner negativer als im Vorjahr, 43 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung.

Auch ein Verkauf schwächerer Unternehmensteile oder Marken ist derzeit keine einfache Alternative. Mehr als 70 Prozent bewerten den Käufermarkt für Fashion-Unternehmen und -Marken im deutschsprachigen Raum als schwach. Als größte Hindernisse gelten fehlendes Investoreninteresse und zu niedrige Bewertungen. 20 Prozent der befragten Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahren bereits Geschäftsbereiche, Standorte oder Marken geschlossen oder befinden sich aktuell in einem solchen Prozess.

Key Facts
Studie: CFO Pulse Survey 2026: Beyond the Catwalk
Herausgeber: Roland Berger
Befragung: April 2026
Teilnehmer: 35 Finanzverantwortliche führender Fashion- und Lifestyle-Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Umsatzerwartung 2026: 83 Prozent rechnen mit stagnierenden oder rückläufigen Erlösen
Konjunkturschwäche: für 83 Prozent größte Herausforderung
Geopolitische Instabilität: von 71 Prozent genannt
Restrukturierung: für 83 Prozent grundlegend notwendig
Laufende Restrukturierungsprogramme: bei 86 Prozent der Unternehmen
Messbare Ergebniseffekte: bei 92 Prozent
Käufermarkt für Fashion-Unternehmen und -Marken: von mehr als 70 Prozent als schwach bewertet
Schließungen: bei 20 Prozent der Unternehmen in den vergangenen 24 Monaten bereits erfolgt oder in Umsetzung

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