Die Behörden in der Europäischen Union haben 2025 so viele mutmaßlich gefälschte Waren sichergestellt wie nie zuvor. Die gemeinsame Auswertung des EU-Amtes für geistiges Eigentum EUIPO und der EU-Kommission erfasst mehr als 196 Millionen Artikel an den Außengrenzen und innerhalb des Binnenmarktes. Gegenüber 2024 stieg die Menge um über 67 Prozent. Der geschätzte Einzelhandelswert erreichte rund 6,3 Milliarden Euro.
Für die Modebranche ist besonders die Warengruppenrangfolge an den Außengrenzen relevant: Dort liegt Bekleidung nach der Zahl der sichergestellten Artikel hinter Spielzeug auf Platz zwei. Bei den Kontrollen innerhalb des Binnenmarktes erreicht sie dagegen Rang sechs. Über beide Bereiche zusammen beträgt ihr Anteil 2,62 Prozent.
Eine weitere wichtige Kategorie sind gefälschte Etiketten, Anhänger und Aufkleber. Sie machen 12,82 Prozent der insgesamt erfassten Artikel aus. Die Sicherstellungen solcher Kennzeichnungen und von Verpackungsmaterial deuten darauf hin, dass ein Teil der Fälschungen erst innerhalb der EU fertiggestellt werden könnte. Unmarkierte Waren und falsche Markenkennzeichnungen lassen sich dafür getrennt einführen und später zusammenbringen.
Zugleich erschweren die wachsenden Warenmengen im Onlinehandel die Kontrollen. Die meisten einzelnen Zollfälle betreffen Post- und Expresssendungen. Nach der Zahl der aufgegriffenen Artikel lag dagegen der Straßenverkehr vorn, beim geschätzten Warenwert die Seefracht.
Der Bericht nennt unterschiedliche Transportwege und begrenzte Kontrollkapazitäten als anhaltende Herausforderungen. Er fordert eine engere Zusammenarbeit der Behörden und einen besseren Informationsaustausch.
Die Statistik beschreibt die Ergebnisse der Kontrollen. Sie belegt keinen entsprechend starken Anstieg des gesamten Fälschungsmarktes. Auch die Wertangabe muss eingeordnet werden: Sie orientiert sich an den Einzelhandelspreisen vergleichbarer Originalprodukte. Sie beziffert weder die tatsächlichen Erlöse der Fälscher noch einen nachgewiesenen Schaden für Marken und Handel.
Key Facts
Herausgeber: EUIPO und EU-Kommission, Generaldirektion Steuern und Zollunion
Berichtsjahr: 2025
Erfasste Bereiche: EU-Außengrenzen und EU-Binnenmarkt
Sichergestellte Artikel insgesamt: Mehr als 196 Millionen
Veränderung gegenüber 2024: Über 67 Prozent mehr Artikel
Geschätzter Einzelhandelswert: Rund 6,3 Milliarden Euro
Bewertungsgrundlage: Einzelhandelspreise vergleichbarer Originalprodukte
Bekleidung bei Grenzkontrollen: Rang zwei nach Artikelzahl
Bekleidung im Binnenmarkt: Rang sechs nach Artikelzahl
Bekleidungsanteil an der Gesamtmenge: 2,62 Prozent
Anteil Etiketten, Anhänger und Aufkleber: 12,82 Prozent
Häufigste Versandwege nach Zahl der Zollfälle: Post- und Expresssendungen
Transportweg mit größter Artikelmenge bei Grenzkontrollen: Straßenverkehr
Transportweg mit höchstem geschätztem Warenwert bei Grenzkontrollen: Seefracht
Aussagekraft: Kontrollstatistik, keine Messung des gesamten Fälschungsmarktes
