Entwicklungsminister rügt Adidas

  /  11.09.2014

Als „politisch inkorrekt“ könnte man den indirekten Aufruf zum Marken-Boykott von CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller bezeichnen. Adidas reagierte umgehend…

Niedrige ökologische und soziale Standrads, wirtschaftlicher Wohlstand auf Kosten der Natur – mit derlei Parolen soll CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller während einer Veranstaltung der Berliner Industrie- und Handelskammer auf weltweit agierende Unternehmen wie Shell und Adidas angespielt haben. Zwar nannte der Politiker öffentlich keine Namen, wenig subtil soll Müller jedoch auf mit diesen Unternehmen in Verbindung gebrachte Umstände und vermeintliche Fakten hingewiesen haben. So koste das Weltmeistertrikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – eine eindeutige Anspielung auf Adidas als Trikothersteller und Sponsor – rund 84 Euro, eine Näherin in Bangladesch bekäme dafür 15 Cent.
 
Ausbeutung durch westliche Konzerne, nichtexistenter Arbeitsschutz sowie Sofort-Kündigungen prangerte der Entwicklungsminister an und soll mit Fragen wie „Diese Trikots, diese Anzüge, diese Hemden wollen Sie die tragen?“ laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung indirekt zum Boykott aufgerufen haben. Das Ministerium versuchte anschließend die Wogen zu glätten, Müller habe lediglich auf eine „entwicklungspolitisch schwierige Situation hingewiesen“. Adidas konterte umgehend. Leider hätte sich der Minister zu wenig detailliert über die Beschaffungskette informiert, das Unternehmen hätte diesen sonst gerne darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Trikots aus China stammen. Auch Shell bemängelt das Ausbleiben des Versuches, sich aus erster Hand über die angeprangerte Ölsituation in Nigeria informiert zu haben.

In seinen Forderungen nach einem „Runden Tisch“ zum Thema Textilsiegel ist der Entwicklungsminister auf die Kooperationsbereitschaft von Konzernen wie Adidas angewiesen. Ein solcher „Angriff“ könnte die gemeinsame Korrespondenz verkomplizieren.

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