Digitalisierung des Handels: Diskussionsbedarf

  /  11.05.2015

Die Digitalisierung der Städte fördert den ohnehin stattfindenden Strukturwandel, glaubt IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel. Ver.di jedoch warnt…

Der stationäre Handel tue gut darin, den Onlinehandel nicht als Gefahr, sondern als Chance zu sehen. Anstelle den E-Commerce als Gegner zu erkennen, sollte man von der Digitalisierung profitieren, glaubt IHK-Präsidentin zu Essen, Jutta Kruft-Lohrengel. Während des diesjährigen IHK-Handelsforums Ruhr 2015 anlässlich des 175. Jubiläums der IHK zu Essen stand das Thema „Zukunft des Handels – Digitalisierung der Städte“ im Fokus. Zeitgleich wandte man sich, wie der HDE bereits zuvor, an die Politik, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Der Appell lautet: Wer die Digitalisierung als Trend verkündet, müsse Hürden abbauen. So sei eine „Regelungsflut“ der falsche Weg. 

Kruft-Lohrengel: „Die Digitalisierung der Städte schreitet voran und beschleunigt den gerade im Ruhrgebiet stattfindenden Strukturwandel des Handels zusätzlich.“ Stiegen Besucherzahlen und Aufenthaltsdauer innerhalb der Innenstädte, so würden Angebote und Dienstleistungen unterschiedlicher Fasson besser und umfangreicher genutzt, was sich in zunehmenden Umsatzzahlen widerspiegele. Stichwort „Smart City“: „Der Multi-Channel-Handel bietet für viele Unternehmen eine riesige Chance, die sie aber auch nutzen müssen“, so Kruft-Lohrengel weiter. Laut einer Umfrage der IHK nutzten aktuell 61% der im Ruhrgebiet ansässigen Händler keine digitalen Vertriebskanäle. 

Die Gewerkschaft Ver.di hingegen beäugt die Digitalisierung des Handels kritisch, da diese neben Chancen zudem Gefahren berge. Vorsitzender Frank Bsirske warnt sowohl vor steigender Arbeitslosigkeit durch die damit einhergehende Eliminierung einiger Berufsfelder als auch vor verstärktem Kontrollwahn durch immer mehr digitale Überwachungsmöglichkeiten. Man müsse sich die Frage stellen, inwieweit auf die Automatisierung der Muskelkraft eine Automatisierung des Denkens folge. Zwar könnten Berufstätige mehr Autonomie gewinnen, indem sie jederzeit von überall arbeiten könnten, gleichzeitig werde jedoch der Druck auf die Beschäftigten im Handel immer größer. Im Hinblick auf das Thema Vorsorge zeigt sich Bsirske ebenfalls kritisch: Für die Rente könnten die Betroffenen – Selbstständige im Falle von fehlenden Aufträgen – keinerlei Vorsorge treffen.

Diesem Umstand soll nun Abhilfe geschaffen werden. Der HDE will sich dafür einsetzen, „die Anforderungen des Onlinehandels noch stärker in den Berufsbildern der Branche zu verankern“, infolge dessen einen eigenständigen kaufmännischen Ausbildungsberuf für das Tätigkeitsfeld E-Commerce formen sowie einen Fortbildungsentwurf zum „Fachwirt/in im E-Commerce“ anbieten. Die Realisierung bedarf allerdings einem Übereinkommen aller Beteiligten aus den Bereichen Politik und Wirtschaft sowie Gewerkschaften und Schulen, welchem – wie bei der Umsetzung neuer Ausbildungsberufe üblich – eine vermutlich längere Einigungsphase vorausgehe.

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