Creditreform sieht strukturelle Krise

  /  23.06.2026

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen. Creditreform sieht hinter der Entwicklung zunehmend strukturelle Probleme statt einer vorübergehenden Konjunkturschwäche…

Nach Angaben von Creditreform wurden im ersten Halbjahr 2026 bundesweit rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und markiert den höchsten Halbjahreswert seit 2013.

Besonders alarmierend bewertet die Wirtschaftsauskunftei die zunehmenden Folgewirkungen. Rund 165.000 Arbeitsplätze gelten durch die betroffenen Unternehmen als gefährdet. Der geschätzte wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf rund 28,5 Milliarden Euro.

Creditreform-Hauptgeschäftsführer Patrik-Ludwig Hantzsch sieht die Ursachen inzwischen nicht mehr allein in der schwachen Konjunktur. Hohe Energiepreise, steigende Kosten, Bürokratie, geopolitische Unsicherheiten und eine zurückhaltende Investitionstätigkeit würden die wirtschaftliche Entwicklung dauerhaft belasten.

Die Zahlen decken sich mit anderen aktuellen Erhebungen. Sowohl das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) als auch das Statistische Bundesamt hatten zuletzt über deutlich steigende Insolvenzzahlen berichtet.

Für den Handel und konsumabhängige Branchen bleibt die Entwicklung besonders relevant. Anhaltende Kaufzurückhaltung, hohe Kosten und ein intensiver Preiswettbewerb belasten viele Unternehmen weiterhin. Auch in der Modebranche haben Insolvenzen, Restrukturierungen und Eigentümerwechsel in den vergangenen Monaten zugenommen.

Creditreform geht davon aus, dass sich die Lage kurzfristig nicht grundlegend entspannen wird. Eine nachhaltige Erholung erwarten die Expert*innen erst, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar verbessern.

Key Facts
Unternehmen: Creditreform
Zeitraum: 1. Halbjahr 2026
Unternehmensinsolvenzen: 12.900
Veränderung zum Vorjahr: +7,9 %
Höchster Wert seit: 2013
Gefährdete Arbeitsplätze: rund 165.000
Geschätzter Schaden: 28,5 Mrd. Euro
Einschätzung: strukturelle Krise statt kurzfristiger Konjunkturschwäche
Branchenrelevanz: anhaltender Druck auf Handel und Konsumbranchen

 

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