Rund ein Jahr nach der Insolvenz der früheren Closed-Gesellschaften ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen die ehemaligen Geschäftsführer Hans Redlefsen, Gordon Giers und Til Nadler. Nach Informationen von Welt am Sonntag geht es um den Verdacht der Insolvenzverschleppung. Geprüft wird damit, ob der Insolvenzantrag im August 2025 rechtzeitig gestellt wurde. Die Ermittlungen stehen dem Bericht zufolge noch am Anfang. Für alle drei gilt die Unschuldsvermutung.
Im Mittelpunkt zusätzlicher Vorwürfe steht der frühere Finanzchef Hans Redlefsen. Laut einer Strafanzeige der Aloys Wobben Stiftung soll er im Jahr 2024 Kaufverträge über Gesellschaftsanteile fingiert und Unterschriften unter notariell beurkundeten Dokumenten gefälscht haben. Die Unterlagen sollen anschließend bei weiteren Finanzierungsgeschäften verwendet worden sein. Die Vorwürfe sind nicht gerichtlich festgestellt. Redlefsen beantwortete die Fragen von Welt am Sonntag nicht.
Auch der Bericht des Insolvenzverwalters Stefan Denkhaus soll Hinweise auf erhebliche Unregelmäßigkeiten enthalten. Welt am Sonntag zufolge ist darin von fingierten Umsätzen und nicht erfassten Darlehensverbindlichkeiten zwischen 17 und 27 Millionen Euro die Rede. Bis zum Insolvenzantrag habe das Unternehmen dem Bericht zufolge eine wachsende Summe offener Verbindlichkeiten vor sich hergeschoben. Wann genau Zahlungsunfähigkeit eingetreten sein könnte, werde noch untersucht. Der Insolvenzbericht selbst ist nicht öffentlich zugänglich.
Gläubiger haben nach Angaben von Welt Forderungen von rund 100 Millionen Euro im Insolvenzverfahren angemeldet. Diese Summe entspricht nicht automatisch dem später festgestellten Ausfall, zeigt aber die Größenordnung der im Verfahren geltend gemachten Ansprüche.
Gordon Giers und Til Nadler erklären, sie seien für die fraglichen Finanzvorgänge nicht verantwortlich gewesen und hätten davon nichts gewusst. Über ihren gemeinsamen Anwalt ließen sie mitteilen, das Ergebnis der Ermittlungen müsse abgewartet werden. Ob und in welchem Umfang ihnen ein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden kann, ist offen.
Die Ermittlungen beziehen sich auf Vorgänge innerhalb der früheren, insolventen Unternehmensstruktur. Die Marke Closed wird seit November 2025 von der Closed NewCo GmbH fortgeführt. An der Gesellschaft hält die Unternehmerfamilie Böck 74,9 Prozent, Dieter Holzer 25,1 Prozent. Holzer führt das Unternehmen als CEO. Closed blieb mit Wholesale, Retail, Onlinegeschäft, Outlets und Franchise am Standort Hamburg bestehen.
Die heutige Closed NewCo ist von den strafrechtlich untersuchten Vorgängen zu trennen. Gegenstand der Ermittlungen sind die früheren Geschäftsführer und die Frage, ob der Insolvenzantrag der Vorgängergesellschaften rechtzeitig gestellt wurde.
Key Facts
Unternehmen: frühere Closed-Gesellschaften
Ermittlungsbehörde: Staatsanwaltschaft Hamburg
Frühere Geschäftsführer: Hans Redlefsen, Gordon Giers und Til Nadler
Verdacht: Insolvenzverschleppung
Weitere Vorwürfe: mutmaßlich gefälschte Verträge und unzutreffende Finanzangaben laut Strafanzeigen und Medienrecherche
Nicht erfasste Darlehensverbindlichkeiten: 17 bis 27 Millionen Euro laut zitiertem Insolvenzbericht
Angemeldete Gläubigerforderungen: rund 100 Millionen Euro laut Welt
Stellungnahmen: Giers und Nadler erklären, von den fraglichen Finanzvorgängen nichts gewusst zu haben
Heutige Gesellschaft: Closed NewCo GmbH
Eigentümer: Familie Böck mit 74,9 Prozent und Dieter Holzer mit 25,1 Prozent
CEO: Dieter Holzer
