Die Textil- und Modebranche steht wegen ihres Ressourcenverbrauchs und vereinzelt auch problematischer Produktionsbedingungen immer wieder in der Kritik, der Modekonsum solle daher eingeschränkt werden und das Argument, dass in Deutschland rund ein Fünftel der neu gekauften Bekleidung nie oder sehr selten getragen werde, wird oft genannt. Dem widerspricht nun der BTE Handelsverbands Textil Schuhe Lederwaren: „Marktexperten schätzen hingegen, dass ‚nur‘ rund ein Zehntel der Bekleidung (fast) nie getragen wird“, so Geschäftsführer Axel Augustin.
Zur Verifizierung hat der BTE eine YouGov-Verbraucherbefragung in Auftrag gegeben, deren Teilnehmende gefragt wurden, ob sie schon einmal Bekleidung (inkl. Schuhe und Unterwäsche, ohne Secondhand-Ware) gekauft haben, die sie nie oder nur ein einziges Mal getragen haben oder tragen werden. Das Ergebnis: 41,9% haben dies verneint, 45,9% gaben an, lediglich weniger als 10% aller Bekleidung (fast) nie zu tragen. 9,3% tragen bis zu einem Drittel der gekauften Bekleidung (fast) nie, während 3% mehr als ein Drittel der Modekäufe (fast) nie tragen.
Zu den Gründen für die Nicht-Nutzung gab es folgende Ergebnisse (Mehrfachnennungen möglich): 47% gaben an, dass die Bekleidung nur für einen einmaligen Anlass wie z.B. eine Hochzeit gekauft wurde. 43% antworteten, dass die Ware doch nicht gefiel oder passte, aber nicht zurückgegeben werden konnte, beispielsweise bei Online-Käufen im Ausland. 29% teilten mit, dass sich ihre Kleider- bzw. Schuhgröße seit dem Kauf verändert habe, so dass die Bekleidung nicht mehr passte. 4% nannten andere Gründe, ohne diese weiter zu spezifizieren. Neu gekaufte Bekleidung und Schuhe wird damit nach BTE-Schätzungen zu über 90% aller Fälle mehrmals getragen. Und für die Nicht-Nutzung gebe es meist nachvollziehbare Gründe. „Speziell bei eher selten genutzter Anlassbekleidung kommt es z.B. immer vor, dass das Kleid oder der Anzug bei der nächsten Tragegelegenheit nicht mehr passt“, so Augustin.
Problematisch sei für den BTE dagegen, dass ungetragene „Fehlkäufe“ laut der Umfrage nicht zurückgegeben werden können, denn für Online-Käufe gibt es in der EU ein 14-tägiges Rückgaberecht. „Und auch die meisten stationären Modegeschäfte zeigen sich beim Umtausch nicht genutzter Kleidungsstücke meist kulant“, so Augustin. Bekannt sei allerdings, dass über asiatische Plattformen bestellte Billigmode die Erwartungen der Kundinnen und Kunden immer wieder enttäusche, aber oftmals nicht zurückgeschickt werden kann – obwohl sie vielfach nicht einmal die gesetzlichen Anforderungen erfülle. „Wir gehen davon aus, dass vor allem solche Artikel ungetragen in den Kleidercontainern landen. Die Politik muss hier endlich wirksame Maßnahmen gegen die unkontrollierte Flut minderwertiger Mode nach Deutschland und die EU durchsetzen“, fordert der BTE-Geschäftsführer.
Die Erhebung, in deren Rahmen online Mitglieder des YouGov Panels, 2.019 an der Zahl, zwischen dem 8. und 10. Oktober 2025 befragt wurden, wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Diese seien repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
BTE: kaum ungetragene Kleidung
/ 30.10.2025Der BTE widerspricht mit einer Umfrage der Annahme, dass ein großer Teil der Bekleidung in deutschen Kleiderschränken nie getragen werde. Die Ergebnisse…

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