Trotz der starken Entwicklung des E-Commerce übertrifft die Nachfrage das Angebot an Ladenflächen in den begehrten Toplagen Berlins bei weitem. Dies zeigt eine Analyse des Unternehmens Engel & Völkers Commercial Berlin. „Die Umsatzeinbußen durch Onlineanbieter wie Amazon oder Zalando haben den stationären Einzelhandel zum Umdenken gezwungen“, erläutert Kötschau. Bei der Vielfalt im Netz gewinne aber auch die richtige Markenpositionierung an Bedeutung. Zunehmend bauen daher sowohl die großen Handelsketten als auch viele bekannte Herstellermarken ihre Onlineaktivitäten selbst immer weiter aus und setzen auf eine Multichannel-Strategie. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen stationär initiiertem und online generiertem Umsatz immer mehr. „Egal ob Adidas, Apple, Esprit, Levi’s, G-Star, Lego, Mango, Hugo Boss oder Villeroy & Boch – ohne die Präsenz im stationären Einzelhandel ist auch online kein Geschäft zu machen“, erklärt Marcus Kötschau, Teamleiter Retail Services. Die Spitzenmieten liegen derzeit vereinzelt bereits bei 310 Euro pro qm.
Vor allem internationale Modekonzepte, die neu auf dem deutschen Markt starten, seien „zwingend auf Ladengeschäfte in den Hot Spots der deutschen Einzelhandelslandschaft angewiesen, um die Marke überhaupt erst bekannt zu machen und das dahinter stehende Lifestyle-Konzept an die gewünschte Zielgruppe zu vermitteln“, so Kötschau weiter. Zahlreiche internationale Unternehmen eröffnen daher die deutschlandweit ersten Flagship-Stores in Berlin, bevorzugt in der City-West am Tauentzien oder am Kurfürstendamm. So ist Inditex dort inzwischen nicht nur mit Zara, sondern auch mit Bershka und Pull & Bear vertreten. Forever 21 startete in der Hauptstadt ebenso wie die japanische Modekette Uniqlo; letztere dem europaweit größten Geschäft auf 2.700 qm. Auch das aus Polen stammende Modekonzept Reserved soll spätestens ab Herbst 2016 einen 2.000 qm großen Flagship-Store auf der Tauentzienstraße eröffnen. „Für diese Anbieter zählt in erster Linie die hohe Passantenfrequenz, die notwendig ist, um mit entsprechend hohen Quadratmeterumsätzen die geforderten hohen Mieten auch erwirtschaften zu können“, sagt Kötschau.
Auch ehemals schwächere B-Lagen wie der westliche Teil des Kudamms zwischen Olivaer Platz und Adenauerplatz werden durch internationale Modeunternehmen wie die junge italienische Marke Dimensione Danza, den Herrenausstatter Pal Zileri oder das spanische Kindermode-Label Nanos aufgewertet. Wesentliche Treiber der ungebremst starken Nachfrage sind darüber hinaus kleinere Designerlabels aus dem höherwertigen Modesegment wie Filippa K. Auch die französischen Labels The Kooples und Zadig & Voltaire werden sich demnächst am Kurfürstendamm niederlassen. Weiterhin sind Brands aus dem mittleren bis gehobenen Segment, darunter Lacoste, Longchamp, Picard und Michael Kors, die sich in Innenstadtlage präsentieren. „Die im Corporate Identity eingerichteten Shops dienen in erster Linie Prestigezwecken. Sie sind ein wichtiges Marketinginstrument, um die Marke im Markt zu positionieren und in den Köpfen der Kunden präsent zu halten“, erläutert Kötschau. Ob in den Läden selbst wirklich Geld verdient wird, sei dabei offensichtlich zweitrangig.
Berlin: Nachfrage übersteigt Angebot
/ 19.11.2014Die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen in Berlin übersteigt laut Engel & Völkers die Kapazität. Die Spitzenmieten liegen aktuell bei bis zu…

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