Die zwei Verhandlungen, die anlässlich der Entschädigungen für die Opfer der Einstürze und Brände in bangladeschischen Textilfabriken am 11. und 12. September 2013 in Genf stattfanden, sind nach Meinung der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC = Clean Clothes Campaign) enttäuschend verlaufen. Nur in etwa ein Drittel der 29 geladenen Bekleidungsunternehmen hatten dem von der IndustriALL Global Union einberufenen Treffen für die Opfer der Fabriken Rana Plaza sowie Tazreen Fashion laut Organisation beigewohnt. Von den deutschen Unternehmen war im ersten Fall lediglich Kik anwesend, bei der zweiten Verhandlung seien nur Karl Rieker und C&A präsent gewesen.
Von den Konzernen wie Walmart, Benetton oder Mango seien keine Vertreter erschienen, zu den erwarteten und konkreten Einigungen sei es nicht gekommen, lediglich die Textilkette Primark habe sich verpflichtet, allen betroffenen Familien drei weitere Monatsgehälter zu zahlen. „Die Konsumenten werden schockiert sein, dass nach fast einem halben Jahr nach der Katastrophe von Rana Plaza lediglich ein Label seine Unterstützung für die Opfert zugesagt hat. Ich respektiere alle Marken, die bei dem Treffen anwesend waren, mir fehlt jedoch jegliches Verständnis für solche, die es nicht waren“, so IndustriALL Global Union Assistant General Secretary Monika Kemperle.
Auch ZM Kamrul Anam von der Behörde IndustriALL zeigt sich enttäuscht. Wenn er zurück nach Bangladesch kommt, so frage man ihn sicher nach den Vereinbarungen, die in Genf getroffen wurden. „Diese Familien benötigen Essen, Medizin und eine Unterkunft. Ich bitte alle Marken, dass diese dringenden Belange sofort erfüllt werden. In Zukunft kann man eine nachhaltigere Lösung suchen, aber für den Moment müssen die Zahlungen ohne Verzögerungen geleistet werden.“ Die Entschädigungsaufwendungen für die Opfer und Hinterbliebenen von Rana Plaza liegen bei geschätzt rund 75 Mio. US-Dollar, zu denen die Unternehmen die Hälfte beisteuern sollten; im Falle der Fabrik Tazreen soll die Zuzahlung bei knapp 2,9 Mio. US-Dollar liegen.
