Amazon und Ver.di: Einigung gescheitert

  /  02.01.2014

600 – so viele Mitarbeiter mussten ihren Arbeitsplatz bei Amazon räumen, während mehr als das Doppelte neuer Teil der Belegschaft wurde. Ver.di reicht das nicht…

Trotz der durch Ver.di in Deutschland bestreikten Logistikzentren von Amazon konnte der Onlineversender nach eigenen Angaben Rekordumsätze im Weihnachtsgeschäft 2013 erwirtschaften. Am Spitzentag, dem 15. Dezember, sollen rund 4,6 Mio. Artikel über die Plattform gekauft worden sein. Eine Einigung bezüglich der Tarifvertragsbindung steht allerdings noch aus, da Amazon diese kategorisch ablehnt. Stattdessen habe das Unternehmen 1.300 Saisonkräfte, einen Teil für unbefristete Positionen, einen anderen mindestens bis zum 31. Dezember 2014, übernommen. Für Ver.di wiegen die Neueinstellungen die etwa 600 Entlassungen kurz vor Weihnachten jedoch nicht auf. Die Gewerkschaft kritisiert nicht nur, dass der Onlinemarktplatz den Mitarbeitern den Schutz und die Zuverlässigkeit eines Tarifvertrages verweigert, Amazon versuche gleichzeitig eine „Wildwest-Kultur“ in ganz Deutschland zu etablieren.

„Amazon zeigt wieder einmal sein wahres Gesicht“, so Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. „Nachdem sie mit Höchstleistungen unter Druck das Vorweihnachtsgeschäft abgewickelt haben, werden die befristet Beschäftigten […] Knall auf Fall vor die Tür gesetzt.“ Der Versender hingegen beharrt auf seiner Unternehmenspolitik: „Wichtig ist: Wir schaffen nicht nur Arbeit – sondern gute Arbeit“, bekräftigt Steven Harman, EU Director Operations und verantwortlich für die deutschen Logistikzentren. „Unsere neuen Mitarbeiter verdienen mindestens 9,55 Euro pro Stunde im ersten Jahr, danach mindestens 10,47 Euro pro Stunde. Hinzu kommen Boni, kostenlose Versicherungsleistungen und Altersvorsorge.“ Damit befinde man sich „am oberen Ende des in der Logistik Üblichen“.

Mittlerweile sollen sich Mitarbeiter gegen die aus ihrer Sicht falsche, öffentliche Darstellung des Unternehmens wehren, im Logistikzentrum Leipzig habe man rund 700 „Pro-Amazon“-Unterschriften an das Management übergeben. Damit wolle sich ein Teil der Belegschaft von den Methoden der Gewerkschaft Ver.di distanzieren, heißt es. Dass die Parteien künftig ein einvernehmliches Arrangement eingehen, erscheint zu diesem Zeitpunkt fraglich. Ver.di soll Logistikzentren nun auch landesweit bestreiken wollen.

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