„Es kommt darauf an, die Chance zu packen, die jeder einmal im Leben geboten kriegt“, sagt er selbst und hat gezeigt, wie das gehen kann, indem er mit Gründung der Marke Mustang die Jeans nach Europa gebracht hat. Nun feiert Mustang-Seniorchef Albert Sefranek am 18. Mai 2010 seinen 90. Geburtstag in Künzelsau.
Im Jahre 1945 aus dem Krieg kommend, entschließt sich der damals 25-Jährige gegen ein Ingenieurstudium und muss sich dafür in der Nähwerkstatt seiner Schwiegermutter engagieren. Fortan kümmert sich der in Ammerndorf bei Nürnberg geborene Sefranek um die Beschaffung von Stoffen und Zutaten sowie um den Verkauf der Arbeitsbekleidung, die die Firma L. Hermann herstellt. Durch den Hinweis eines Verwandten fällt sein Augenmerk bald auf die „außergewöhnlichen blauen Hosen“ der GIs. Die gebrauchte Bekleidung der amerikanischen Truppen wird in so genannten „STEG-Waren-Geschäften“ verkauft (Geschäfte der „Staatlichen Erfassungs-Gesellschaft“), sind in Deutschland aber noch als ordinär verpönt. Nichtsdestotrotz tauscht der Jungunternehmer in Frankfurt bald Hohenloher Schnaps gegen die ersten sechs Jeans eines US-Soldaten ein, die im heimatlichen Familienbetrieb erst einmal auseinander getrennt und zur Schnittmustervorlage umfunktioniert werden. Ein Aufwand, der sich lohnen soll, denn es folgt ein erster Auftrag über 300 Stück.
Das zunächst verwendete Material für die Hosen, deutscher, strapazierfähiger und blauer Monteurköper, sind dem jungen Sefranek jedoch noch ein Dorn im Auge; er sorgt alsbald dafür, dass im Jahre 1958 zum Originalschnitt dann auch der Originalstoff hinzukommt: Auf eigene Faust kauft er aus Amerika 40.000 Yards (36.000 Meter) Denim für über 100.000 Mark ein. „Unsere ersten echten US-Denim-Stoffballen habe ich heimlich bestellt, die Schwiegermutter wusste nichts davon“, erzählt der bald 90-Jährige. „Mein Gott, sie hätte wegen des hohen Preises und der großen Menge einen Herzanfall bekommen. Denn wenn das schief gelaufen wäre mit dem Jeansverkauf, wären wir ruiniert gewesen.“ Doch der hohe Preis erweist sich als lohnendste Investition des Künzelsauer Kleinbetriebs.
Nun fehlt dem Kind nur noch sein Name. Im Künzelsauer Café Frick darüber sinnierend, rückt dabei das amerikanische Lebensgefühl, das in dieser Zeit gerne mal über die Kinoleinwände flimmert, in den Fokus. Was liegt da näher als Mustang, ist es doch das Wildpferd schlechthin, das den Inbegriff von Freiheit, Abenteuer und einer ganzen Weltanschauung verkörpert.
Die ganze Rechnung geht auf. Die Nachfrage nach der Jeans mit dem Pferd ist enorm, kann kaum gestillt werden. Weitere Erfolge wie die erste deutsche Damenjeans und die erste Cordjeans Europas stellen sich ein, es folgen Expansion, eigene Stores und die Gründung von Niederlassungen zum Beispiel in Frankfurt, Moskau und Hongkong.
1995 zieht sich Albert Sefranek aus der Firmenleitung zurück und überlässt die Führung des Konzerns ganz seinem 1948 geborenen Sohn Heiner, der seit 1974 ohnehin in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig ist. Dieser Schritt geschieht allerdings auch aus traurigen privaten Umständen – Ehefrau Erika ist schwer erkrankt und wird von Albert Sefranek bis zu ihrem Tod drei Monate vor seinem 80. Geburtstag gepflegt.
Auch ehrenamtlich engagiert sich Albert Sefranek während seines Berufslebens vielfach, ob nun regional im Ingelfinger Tennisclub, bei AOK und IHK oder aber dem Hohenloher Kunstverein. Ebenso ist er als Handelsrichter beim Landgericht Heilbronn viele Jahre tätig. Überregional prägt er als Vorsitzender des Beirats der Köln Messe die Interjeans mit und ist zudem als Mitglied des Beirats der Deutschen Bank aktiv. Für seine herausragende Persönlichkeit als Unternehmer und „Pionier für fundiertes Marketing am Jeansmarkt“ ehrt ihn Ministerpräsident Lothar Späth 1986 mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.
Mittlerweile findet der Jeanspionier Zeit, um leidenschaftlich seinen Hobbys nachzugehen, zu reisen und Konzerte wie Kunstausstellungen zu genießen. Er selbst findet übrigens erst in den 70er Jahren Gefallen an Denims – als Kinohelden wir Marlon Brando und James Dean die blaue Hose gesellschaftsfähig machen. Heute kann Sefranek mit Überzeugung sagen: „Sie halten jung.“
Mustang-Seniorchef wird 90
/ 05.05.2010Am 18. Mai feiert Mustang-Seniorchef Albert Sefranek seinen 90. Geburtstag in Künzelsau. Der Jeanspionier weiß, dass er seine Chance im Leben genutzt hat und mit Mustang eine weltbekannte Marke geschaffen hat. Als „Pionier für fundiertes Marketing am Jeansmarkt“ erhält er 1986 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN INHALT DIESER SEITE, MELDEN SIE SICH BITTE AN.
Noch kein Mitglied?
Dann registrieren Sie sich jetzt für den kostenfreien 1st-blue-Business Club.
Als Teil unserer Community erhalten Sie Zugriff auf Branchen-News, Orderinfos, Netzwerktools und den wöchentlichen B2B-Newsletter.