C1rca wurde im sonnigen Kalifornien geboren und ist tief im Bereich Skate verwurzelt. Sieht die Marke sich heute immer noch in diesem Segment platziert oder werden mittlerweile auch andere Zielgruppen angestrebt?
„C1rca ist ein Brand, das von Skateboardern gegründet wurde, von jeher in der Szene getragen wurde und hauptsächlich über Skate-Shops verkauft wird. Wir wollen C1rca aber auch über das Umfeld Skate hinaus weiterentwickeln und neue Bereiche erschließen, neue Kunden erreichen. Im Zuge dessen haben wir eine Produktsegmentierung eingeführt. Neben unserer ‚Main’-Kollektion, die sich mehr und mehr im Segment Fashion einfinden soll, gibt es noch die Linie ‚Select’ mit Skate-inspirierter Mode und die reine Skate-Linie ‚Combat’. Mit unserer ‚Main`-Linie wollen wir C1rca verstärkt im Sportfachhandel platzieren. In der Schweiz wurde das schon sehr gut und erfolgreich umgesetzt, und das soll nun auch in Deutschland geschehen. Mit 60% Schuhen und 40% Textilien sind wir europaweit sehr gut aufgestellt.“
Besteht nicht die Gefahr, die sehr spitze Zielgruppe der Skateboarder zu verlieren, wenn die Marke gleichzeitig eine breitere Masse anspricht?
„Nein, keineswegs. Wir widmen uns unserem Ursprung und unseren Wurzeln weiterhin mit der ‚Combat’-Linie. Dieser Teil steht unabhängig vom Rest der C1rca Kollektion und bleibt den Skatern vorbehalten. Außerdem arbeiten wir mit guten Skate-Shops und deren Inhabern zusammen. Meist handelt es sich hier um in die Jahre gekommene Skater, hinter denen sich in der Regel auch erfahrene Kaufmänner verbergen. Und die wissen, was wie zu verkaufen ist.“
Das Erschließen neuer Segmente impliziert, neue Kunden zu gewinnen. Und dies wiederum ist eng mit Messeauftritten verknüpft.
„Im Grunde ist der eigentliche Messegedanke über die Zeit verloren gegangen, wonach der Händler sich auf Messen informiert und so einen Gesamtüberblick über Marken und Kollektionen bekommt. Mittlerweile laufen viele Einkäufer auf den Veranstaltungen schlichtweg ihre Lieferanten ab und statten lediglich den Marken einen Besuch ab, die sie bereits in ihrem Laden haben. Die Bread & Butter hat den alten Gedanken wiederbelebt. Sie präsentiert einen guten Produktmix in relaxter Atmosphäre. Und im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen bietet die Bread & Butter ein Klima, in dem der Einkäufer sich andere Marken anschaut, inspirieren lässt und gegebenenfalls neue Bereiche angeht. Das ist natürlich ein Format, das ich voll und ganz unterstütze!“
C1rca war seit Anbeginn auf der Bright mit von der Partie. In der letzten Messesaison hat man sich erstmals nicht in Frankfurt, dafür aber auf der Jam in Köln präsentiert. Wie kam es zu dieser Entscheidung und wo zeigt sich C1rca im Sommer 2009?
„Wir haben uns im Januar 2009 gegen die Bright und für die Jam entschieden, da wir der Meinung sind, dass die Frankfurter Messe als reine skateorientierte Veranstaltung hauptsächlich ein Umfeld für unsere ‚Combat’-Linie bietet. Dahingegen deckt die Jam verschiedene Segmente ab, so dass C1rca hier insgesamt besser platziert ist. Und der Erfolg hat uns Recht gegeben: Die Jam war super für uns, wir konnten 17 Neukunden gewinnen. Das zeigt auch, dass wir mit unserer Zielsetzung, uns über den Tellerrand Skate hinaus, hin zu zusätzlichen Segmenten zu bewegen, richtig liegen. Für die kommende Messerunde liegt der Fokus der Branche natürlich ganz klar auf der Bread & Butter. Auch unsere gesamte Konzentration gilt nun der Veranstaltung in Berlin. Dennoch bleiben wir insgesamt offen, zumal derzeit Bewegung in die Messelandschaft kommt und es spannend bleibt.“
Das Um- und Neuorientieren wird in Zeiten der Wirtschaftskrise zunehmend wichtig für Händler, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Wie geht C1rca mit den schlechten Zeiten um?
„Es lassen sich derzeit genau zwei Strategien auf dem Markt beobachten: Die einen sparen Kosten, halten sich zurück und fahren alle Budgets runter, andere wiederum gehen Risiken ein und treten stärker in die Offensive als bisher. Wir verfolgen mit C1rca eher die letztere Taktik und haben ein gutes Marketingbudget für dieses Jahr. Ich glaube, dass es jetzt der falsche Weg wäre, sich einzuigeln und der Dinge zu harren. Natürlich kann man nicht leugnen, dass momentan ein raues Klima herrscht. Obwohl wir bisher davon in unseren Direktmärkten verschont geblieben sind, bekommen wir die Krise auf internationaler Ebene schon zu spüren. In Deutschland wurde ein Plus von 20 bis 25% erwirtschaftet, auch die anderen Märkte in Europa laufen durchaus positiv. In Kanada und den USA sieht es dagegen weniger gut aus. Hier brechen teilweise gute Kunden weg – und das nicht wegen des Produkts, sondern weil sie schlichtweg kein Geld mehr haben. Wir verfallen jedoch nicht in Panik. Unser Vorteil: Das gesamte Unternehmen stützt sich nicht einzig und allein auf Profit, sondern ist grundsolide und breit aufgestellt. Wenn man ein Produkt hat, das der Kunde haben will, ist es meiner Meinung nach wichtig, langsam und stetig zu wachsen. Nur so bleibt das Wachstum gesund für das Unternehmen.“
C1rca wurde 1999 gegründet - dann gibt es doch in diesem Jahr das zehnjährige Jubiläum der Marke zu feiern! Wie soll dieses Ereignis zelebriert werden?
„Richtig, C1rca wurde 1999 von dem Skateprofi Chad Muska, dem in Kalifornien lebenden Schweizer Markus Böhi und Raul Ries, einem gemeinsamen Freund der beiden, gegründet. Noch im Oktober desselben Jahres gingen die drei mit dem ersten hoch technischen Skateschuh an den Start. Das heißt, dass wir auch erst im Oktober dieses Jahres offiziell das Jubiläum der Marke feiern. Anlässlich des Geburtstages wird es eine Limited Kollektion mit fünf bis sechs besonderen Styles geben, die wir über ausgesuchte Händler auf den Markt bringen wollen. Weitere Projekte sind noch in der Mache. Insgesamt sind zu diesem Anlass allerdings keine großen Marketing-Aktionen geplant, wir wollen nicht mit Pauken und Trompeten feiern, was vielleicht an unseren Schweizer Wurzeln liegen mag. Wir machen das Ganze smooth.“
Jeder weiß, wie wichtig es ist, im Rahmen von Kooperationen und Sponsorings mit Teamfahrern zusammenzuarbeiten. Wie sieht es dahingehend bei C1rca aus?
„Wir arbeiten natürlich auch weiterhin mit unseren Teamfahrern zusammen. Im ‚Combat’-Team wird ab Fall 2009 Peter Ramondetta vertreten sein, der zuvor im Team unserer ‚Main’-Linie war. Dieses besteht aus neun Fahrern, wobei Adrian Lopez, und Jon Allie die Köpfe des ‚Main’-Teams sind. Alle drei Fahrer verfügen über ein eigenes Pro-Modell sowie Shirts und Sweater, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen und Belieben mitdesignen. Diese Kooperationen laufen sehr erfolgreich und werden auch in Zukunft fortgeführt. Die Jungs haben aber nicht nur ihre eigenen Designs, sie testen die Schuhe natürlich auch selbst und werden von C1rca eingekleidet und gesponsert.“
Last but not Least: Was hat es eigentlich mit dem Namen C1rca auf sich?
„Die Geschichte hinter dem Markennamen ist gar nicht so spannend. Markus Böhi erzählt, dass die drei Labelgründer im Zuge der Namensfindung einen ganzen Billardtisch mit Zetteln gefüllt hatten, auf denen jeweils in Frage kommende Alternativen standen. Diese wurden dann allesamt von einem Anwalt dahingehend überprüft, ob sie rechtlich weltweit nutzbar sind. Letztlich blieb nicht einmal mehr der Name Circa übrig, welcher schon von einer Firma in San Francisco verwendet wurde. Der Anwalt riet, das i gegen eine eins zu tauschen - und so entstand der Name C1rca. Das Interessante an der Geschichte ist für mich, dass die jungen Labelgründer von Anfang an im Sinn hatten, weltweit herauszukommen, was sie bereits bei der Wahl des Markennamens bedachten. Und so ist es dann auch geschehen: C1rca wurde sehr schnell international. Markus Böhi gründete alsbald die Four Star Distribution, die heute ihren Sitz in Kalifornien, ihren Hauptsitz in der Schweiz sowie weitere Standorte in Hongkong und Kanada hat. Vom Schweizer Headquarter aus wird die Marke C1rca gesteuert, wobei wir den klaren Vorteil haben, alles - von Marketing über Design bis hin zur Produktion - inhouse abzuwickeln.“
