Er ist ein Schuhprofi durch und durch. Im Alter von 22 Jahren hatte Peter Stratmann gemeinsam mit seinem Bruder Volker bereits einen eigenen Laden ins Leben gerufen – „Stratmann“ im nordrheinwestfälischen Lippstadt –, bevor er zu Hugo Boss wechselte. Dort zeichnete er als Product Manager für die Damen- und Herrenschuhe der jungen Linie „Hugo“ verantwortlich. Es folgten Stationen bei Vic Matié in Italien, Riccardo Cartillone in Berlin und zuletzt G-Star Raw Footwear. Ende letzten Jahres holte ihn Zalando ins Boot. Jetzt wollte 1st-blue von dem 43-Jährigen wissen, wie die ersten Monate bei dem Berliner E-Retailer als Product Manager Herrenschuhe verlaufen sind.
Herr Stratmann, Sie haben die Seite gewechselt. Kannte man Sie bis vor kurzem noch von G-Star Raw Footwear als Country Manager für die DACH-Länder, so findet man Sie seit Ende letzten Jahres als Einkäufer für den Bereich Herren beim Online-Shop Zalando. Wie schwer fiel Ihnen der Abschied, nachdem Sie die Schuhlinie von G-Star Raw von Anbeginn betreut haben?
„Schon schwer, denn mir hat der Aufbau des Vertriebs von G-Star Raw Footwear unglaublich viel Spaß bereitet und natürlich geht man auch mit Wehmut. Vier Jahre sind eine lange Zeit und ich konnte viele meiner Ideen umsetzen. Ich bin aber immer noch in regem Kontakt mit den Leuten von Overland, denn es war wirklich eine tolle Zeit. Doch dann hat mich die neue Aufgabe bei Zalando so sehr gereizt, dass ich keinen Tag länger warten wollte bis zum Start.“
Andersrum gefragt: Was hat Sie an dem Wechsel besonders gereizt?
„Im Grunde bin ich immer Einzelhändler gewesen und wollte wieder gerne dorthin zurück. Zalando ist schon seit Herbst 2009 Kunde bei G-Star Footwear. Natürlich habe ich die Entwicklung genau verfolgt und fand diese extrem spannend. Mir gefiel auch sofort diese Aufbruchsstimmung. Obwohl es uns nun schon zwei Jahre gibt, ist Zalando doch immer noch im Aufbau und es gibt sehr viel zu tun.“
Ihre Passion gilt den Schuhen. Welche Schuhmarken tragen Sie selbst am liebsten – und warum?
„Da gibt es zu viele Marken. Im Moment trage ich sehr gerne klassisches, britisches Schuhwerk. Und daneben gerne einen Premiata – denen bin ich schon seit 15 Jahren treu.“
Welche Kollektion konnte Sie in der Orderrunde HW11/12 am meisten beeindrucken – und womit?
„Silvano Sassetti wegen dem wunderschönen Leder und der tollen Sohlen und H by Hudson wegen der Neuinterpretation vom ‚Creeper’.“
Welche sind Ihres Ermessens nach die wichtigsten „Upcoming Brands“ im Bereich Herrenschuhe?
„Generell denke ich, dass die italienischen Hersteller zu lange nach Osteuropa geschielt haben, der großen russischen Aufträge wegen. Dadurch haben sie sich zu weit vom nordeuropäischen Geschmack entfernt. Der skandinavische und britische Look ist bei den Italienern fast nicht existent. Da sind die Portugiesen besser. Und ‚Upcoming Brands’ bleiben mein Geheimnis.“
Zalando war in Deutschland quasi Vorreiter als Online-Shop für Schuhe, hat sein Sortiment aber längst auf weitere Segmente ausgedehnt. Mittlerweile gibt es außerdem die Zalando-Lounge, die mit temporären Verkaufsaktionen arbeitet, gerade erst wurde ein Premium-Shop gelauncht. Eigentlich heißt es ja immer „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Daher: Finden Sie diese Diversifizierung überhaupt begrüßenswert?
„Ich begrüße diese Diversifizierung, denn unsere ‚Schuster’ sind alle Spezialisten auf ihrem Gebiet. Der Premium-Shop wird von einem Profi geführt, genauso wie der Textileinkauf aus Leuten mit langjähriger Erfahrung besteht. Außerdem wollen wir unseren Kunden ein perfektes Einkaufserlebnis bieten. Dazu gehören natürlich auch eine breite Auswahl und immer wieder neue Impulse.“
Wie schätzen Sie das Wettbewerberumfeld von Zalando ein?
„Aus unserer Sicht ist genug Platz für uns alle da.“
Abschließend ein vager Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Zalando in einem Jahr, wo in fünf, wo in zehn?
„Fünf oder sogar zehn Jahre sind ein wirklich langer Zeitraum. Wir haben uns ehrgeizige Ziele gesteckt und die wollen wir auch erreichen, denken aber größtenteils in kürzeren Etappen.“
Vielen Dank für das Interview!
„Herr Stratmann, sind Sie lieber Ein- oder Verkäufer?“
/ 15.04.2011Nach Stationen bei Vic Matié, Riccardo Cartillone und G-Star Raw Footwear ist Peter Stratmann seit Ende 2010 für den Berliner Online-Shop Zalando tätig – als Product Manager Herrenschuhe. 1st-blue sprach mit dem 43-Jährigen über seinen Seitenwechsel.

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