„Herr Robens, was bedeutet nachhaltiges & soziales Engagement für Craghoppers?“

  /  21.02.2019

Oliver Robens, Europa-Chef von Craghoppers und seit zwölf Jahren im Unternehmen, verrät im Interview, wie wichtig das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit ist…

Oliver Robens

Oliver Robens, seit fast zwölf Jahren bei Craghoppers tätig, zunächst als Country Manager D.A.CH. und seit 2013 Managing Director Europe, spricht im Interview über das soziale Engagement der Marke, über Nachhaltigkeit, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf den verschiedenen europäischen Märkten und die Ziele des Labels.

Inspiriert von Weltreise-Expeditionen, entwirft Craghoppers Outdoor-Bekleidung und Schutzausrüstung seit mehr als 50 Jahren. Wie hat sich das Label im Laufe der Zeit verändert bzw. entwickelt?


„Unsere Bekleidung und Ausrüstung ist mehr denn je vom Reisen inspiriert und wir arbeiten mit Markenbotschaftern auf der ganzen Welt zusammen, um zu zeigen, wie sehr bei unseren Produkten das Thema Reisen im Mittelpunkt steht. Im Laufe der Jahre haben wir viele innovative Technologien auf den Markt gebracht, dazu gehört zum Beispiel NosiLife, das beißende Insekten abwehrt, die SolarShield-Sonnenschutztechnologie und clevere Reisedetails wie RFID-Sicherheitstaschen, ein Sonnenbrillenputztuch am Ende der Knopfleiste bei Hemden und Blusen oder praktische Trockenschlaufen.“

Mit dem „Honesty Projekt“ legt Craghoppers sein soziales Engagement offen und bietet einen ganzheitlichen Ansatz. Die Marke will das Leben derjenigen unterstützen, die am Produktionsprozess beteiligt sind und gleichzeitig die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Wie sieht das im Detail aus?

„Seit 2012 sind wir Mitglied der Ethical Trading Initiative (ETI), um faire Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in unseren Partnerfabriken zu gewährleisten. Als ETI-Mitglied stimmen wir zu, den ETI-Basis-Kodex der Arbeitspraxis zu übernehmen. Es ist uns gelungen, über diese ursprüngliche Ebene hinauszugehen. Unsere Arbeit hat sich positiv auf über 40.000 Mitarbeiter ausgewirkt. Wir haben die Fabrikarbeiter sehr aktiv ermutigt, ihre eigenen Betriebsräte zu bilden, damit ihre Stimmen gehört werden können.“

Sie setzen ein Programm um, dass Frauen in Bangladesch in den Bereichen Gesundheit, Hygiene, Ernährung und Finanzen ausbildet. Das Programm wurde in sechs Fabriken in Bangladesch umgesetzt. Wie kam es dazu, wie sieht das es und wie soll es sich in Zukunft entwickeln?


„Vor über fünf Jahren haben wir mit dem HER-Projekt begonnen, um den Arbeiterinnen in unseren Fabriken grundlegende Informationen zu vermitteln, die sie für ein gesundes Leben benötigen. Wir haben dann unser eigenes Regatta Health Education Programme (RHEP) entwickelt – in den letzten fünf Jahren haben wir so über 10.000 Frauen in den Fabriken schulen können. Diese Frauen werden sogenannte Peer Educators, die ihr Wissen mit ihren Nachbarn, ihrer Familie und ihren Freunden teilen. Wir haben gerade eine Beratung zur Familienplanung ins Leben gerufen und sind stets auf der Suche nach neuen Ansätzen, um das Leben dieser Frauen positiv zu beeinflussen.“

Ihr zweites soziales Programm ist die Savar Grundschule in Dhaka, Bangladesch, die Craghoppers seit über zehn Jahren fördert und sich auf dem Gelände Ihrer Bekleidungsfabrik befindet. Die Pläne für 2017/18 umfassten die Renovierung des Gebäudes, ein Rechen- und Alphabetisierungsprogramm und ein Förderprogramm für Eltern. Konnten diese Pläne umgesetzt werden und gibt es weitere Pläne für die nächsten Jahre?

„Wir sind sehr stolz auf unsere Savar School, die Kindern in einer sicheren und spannenden Umgebung eine lebensverändernde Ausbildung ermöglicht. Derzeit gibt es 262 Schüler im Alter von 4 bis 14 Jahren, darunter 58 Kinder mit Lern- oder körperlichen Behinderungen. Jeden Tag bieten wir allen Schülern eine ausgewogene Mahlzeit an. Im Rahmen der jüngsten Renovierung der Schule haben wir einen ‚Sinnesraum‘ für Kinder mit schwereren Behinderungen eingeführt, hell dekorierte Klassenzimmer zur Förderung des Lernens und einen Spielplatz im Freien eingerichtet. Außerdem haben wir uns auf die Alphabetisierung konzentriert und dazu eine Bibliothek mit Büchern für die Schüler und ihre Familien bestückt. Wir werden die Savar School weiter unterstützen und durch die enge Zusammenarbeit mit ihnen die Bedürfnisse der Schüler und ihrer Familien besser verstehen. Dies wird dazu beitragen, wie wir sie in Zukunft unterstützen.“

Craghoppers ist PFC-frei und verwendet keine Daunen. Welche Materialen stehen bei Craghoppers im Fokus und was unterscheidet das Label von anderen Travelwear-Marken?

„Wir werden uns weiterhin auf Materialien konzentrieren, von denen wir glauben, dass sie das Reiseerlebnis unserer Kunden verbessern ohne die Umwelt zu belasten – sei es Sonnenschutz, die Abwehr von beißenden Insekten, pflegeleichte oder geruchsneutralisierende Materialien. Außerdem wollen wir unsere recycelten Materialien weiterentwickeln und damit unser Sortiment über recycelte Fleece hinaus erweitern. Wir sind der Meinung, dass sich unser umfassendes Angebot an Reisebekleidung, von safaritauglichen Styles bis hin zu smarten City-Kollektionen mit diversen technischen Features, von anderen Travelwear-Marken unterscheidet.“

Seit 2012 ist Craghoppers Mitglied der Ethical Trading Initiative. Zudem ist Craghoppers unter anderem Bluesign-Systempartner, ein unabhängiges System, das die Einhaltung der Vorschriften während des Produktionsprozesses überprüft. Wie wichtig sind Initiativen und Siegel heutzutage?

„Sehr. In unserem Honesty Project betonen wir, dass wir nicht perfekt sind, aber es ist sehr wichtig, dass wir uns an gleichgesinnten Marken orientieren und zusammenarbeiten, um das Leben der Menschen zu verbessern und unsere Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren. Als Bluesign-System-Partner sind wir bestrebt, unsere Umweltbilanz kontinuierlich zu verbessern und auf eine nachhaltige Zukunft hinzuarbeiten. Als Lizenznehmer des Higgs-Index verwenden wir den Selbstbewertungs-Standard, der in der Bekleidungs- und Schuhindustrie einzigartig ist, um unsere ökologische und soziale Nachhaltigkeit entlang unserer Lieferkette zu bewerten. Auf diese Weise werden Verbesserungspotenziale identifiziert und unsere Leistung mit der Industrie verglichen. Als eines der ersten Mitglieder des Outdoor Industry Microfibre Consortium arbeiten wir neben anderen führenden Marken in der Mode- und Outdoor-Branche an vorderster Front mit bei der Erforschung einer Lösung zur Reduzierung des Faserverlustes während der Produktion, dem Tragen und Waschen von Bekleidung, der unsere Wassersysteme und Ozeane verunreinigt hat.“

Neben dem Thema Nachhaltigkeit spielt auch Style eine Rolle bei Craghoppers. Welche Rolle spielen Trends für das Label?

„Unser Designteam ist stets auf dem Laufenden was Trends bei Farben, Mustern und Texturen angeht, um sicherzustellen, dass neue Kollektionsteile frisch und interessant sind und die technischen und funktionalen Eigenschaften ergänzen.“

Wie unterscheiden sich die verschiedenen europäischen Märkte, die Craghoppers bedient? Und wie lief der Markteintritt in Polen im vergangenen Jahr?

„Im Grunde genommen sind die meisten Märkte in sich unterschiedlich. Es gibt zum Teil auch regionale Unterschiede innerhalb eines Landes, zum Beispiel bei der Farbpräferenz. Keine international tätige Marke kann daher auf alle Bedürfnisse eingehen, ohne die Kollektionsgröße ins Unendliche zu erweitern. Für uns ist es wichtig, für alle Märkte die entscheidenden Produkte zu haben. In den meisten Märkten sind die Passformansprüche die gleichen. In allen Märkten ist zum Glück das Umweltbewusstsein sehr gestiegen. Polen hat sich sehr gut entwickelt. Mittlerweile sind wir in vielen Outdoor-Fachgeschäften vertreten. Auch hier gibt es den Anspruch auf Funktionalität, Qualität und Innovation.“

Craghoppers bietet eine lebenslange Garantie auf Bekleidung. Um solch ein Versprechen zu geben, muss man sehr überzeugt sein von den eigenen Produkten. Wie häufig wird diese in Anspruch genommen?

„Unsere Produkte haben eine überaus hohe Qualität. Dadurch muss unsere Garantie kaum in Anspruch genommen werden. Die Retourenquote liegt bei weit unter 0,5%.“

Welche drei Ziele wollen Sie in den nächsten fünf Jahren mit Craghoppers erreichen?


„1. Als rücksichtsvolle globale Autorität für Reise- und Outdoor-Bekleidung und -Accessoires anerkannt werden. 2. Wir wollen signifikante Fortschritte in Übereinstimmung mit den Benchmarks unserer Partner wie dem Higg Index und als Bluesign-System-Partner erzielen. 3. Unsere Online-Community durch unsere Zusammenarbeit mit Wohltätigkeitsorganisationen und Partnern erweitern.“

Vielen Dank für das Interview!

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