„Herr Ranft, was macht die Marke zum Must-Have?"

  /  30.05.2011

Komet und Helden-Geschäftsführer Florian Ranft erklärt im Interview mit 1st-blue, wieso er und Mit-Inhaber Henrik Soller auf den Aufbau neuer Marken in Deutschland setzen, wieso sie an Superdry glauben und wie ihre Pläne für’s nächste Jahr aussehen.

Florian Ranft

Florian Ranft und Henrik Soller, die 2000 die Münchner Vertriebs-Agentur Komet und Helden gegründet haben, vertreiben inzwischen 14 Kollektionen in Deutschland und Österreich. Dazu hat die Agentur die Londoner Jeans- und Sportswear-Marke Superdry mit drei Monolabel-Stores und rund 500 Kunden in Deutschland positioniert.

Herr Ranft, wie spiegeln die Marken, die Sie vertreiben, Ihren Stil wider?

„Unser Herz schlägt immer für gute Denims und hochwertige Sportswear. Das sind wir. Hochwertige Designer-Marken, die wir ja auch schon vertrieben haben, sind zu kompliziert. Unser Stil ist reduziertes Design und möglichst authentische Marken.“

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Marken aus?

„Wir legen großen Wert darauf, immer die erste Agentur zu sein, die eine Marke in Deutschland vertreibt. Wir nehmen ungern eine bereits in Deutschland von einer anderen Agentur vertretene Marke.“

Ihre Kernmarken Woolrich, Blauer, Superdry und AG Adriano Goldschmied, gehören in Deutschland inzwischen zu den wichtigen Marken in gehobenen Sportswear- und Design-Läden. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

„Die Händler erwarten sehr viel. Zu unserem Erfolgsrezept gehört, dass wir auf Kundenbetreuung  genauso viel Wert liegen, wie auf das Produkt. Auf jede Person im Vertrieb kommt eine eigene Customer-Service-Kraft. Die Bedeutung des Customer-Services wird oft noch unterschätzt. Da können wir noch viel von Amerika lernen, wo Service schon lange eine sehr große Bedeutung hat.“

Wie schwierig war es bei einem relativ dichten Sportswear-Markt, eine 2400-teilige Komplettkollektion wie Superdry zu positionieren?

„Wir glauben extrem an Superdry. Obwohl sich das Denim-Geschäft auf wenige Marken konzentriert, steigt der Bekanntheitsgrad der Marke. Bei hochwertiger Sportswear gibt es nach wie vor eine hohe Preissensibilität. Mit Superdry, unserer eigentlich konsumigsten Kollektion, haben wir es geschafft, als untere Preislage in hochwertigen Shops wie Jades und Lodenfrey zu liegen. Dazu starten wir ganz neu jetzt mit Shop-und Corner-Konzepten. Außerdem kommen mit Sicherheit noch weitere Shops dazu. Zu den drei bestehenden Superdry-Stores in München, Berlin und Salzburg eröffnen wir zur Bread & Butter einen zweiten Superdry-Store in Berlin im Weinmeister Hotel.“

Entsteht mit dem eigenen Superdry-Showroom nicht ein Ungleichgewicht in Bezug auf die Präsentation der anderen Marken?

„Wir versuchen natürlich, ein Markengleichgewicht zu halten. Wir sind seit sechs Jahren in diesem Showroom. Die Kollektionen werden immer größer und wir brauchen tatsächlich mehr Platz, um das Erscheinungsbild aller Marken zu transportieren. Daher sind wir zur nächsten Herbst-/Winter-Kollektion schon in Verhandlung mit einem neuen Showroom.“

Und wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von AG Adriano Goldschmied?

„Seit wir vor drei Jahren den Import angefangen haben, können wir innerhalb von 24 Stunden liefern. Da arbeiten wir direkt mit L.A. zusammen. Die Schnitte sind sehr feminin, hinten etwas höher geschnitten und mit einem Stretch-Anteil, um die Passform zu verbessern. Das kommt gut an.“

Wie spüren Sie, welche Marke Potential hat? Wo lassen sich die Trends heute finden?

„Ich reise viel und habe inzwischen ein gutes Gespür für kleine Marken. Mein Schwerpunkt liegt auf Italien und ich freue mich schon wieder auf die Pitti. Henrik hat sich mehr auf Amerika spezialisiert. Da muss man jetzt auch eher suchen, wenn man frische Designs finden will.“

Gibt es eine Marke, die Sie vielleicht noch gerne dazu nehmen würden?

„Unser Ziel ist es, nicht mehr Marken zu vertreiben. Wir konzentrieren uns auf unsere vier großen Kollektionen. Um sie herum gruppieren wir dann noch Spezialisten, die das Komplett-Programm ergänzen können. Die Verlockung ist immer groß, wenn man eine neue Marke entdeckt. Die Kunst der Fokussierung besteht jedoch darin, auch einmal Nein zu sagen zu einer Marke.“

Vielen Dank für das Interview!

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