„Herr Marchi, wie wichtig ist der deutsche Markt für Liu Jo?“

  /  18.10.2019

Liu Jo-Chef Marco Marchi spricht im Interview über die Strategie hinter den Shop-Openings, die „Better“ Kollektion, die Entwicklung in Deutschland und die Berliner Messelandschaft…

Marco Marchi

Marco Marchi, President und Head of Style von Liu Jo, verrät im Interview Retailpläne, spricht über den Ausbau der nachhaltigen „Better“ Kollektion sowie den Nachhaltigkeitsgedanken im Unternehmen insgesamt und erklärt, welche Bedeutung das Label dem deutschen Markt beimisst.

Herr Marchi, Liu Jo hat 2018 und 2019 einige Stores, unter anderem in Shanghai, Österreich, Berlin, Innsbruck und Zürich, eröffnet. Gibt es Pläne für weitere Openings?

„Die Einzelhandelssaison ist für uns besonders dynamisch, und 2019 ist in dieser Hinsicht ein sehr bedeutsames Jahr: Neben den bereits erwähnten Eröffnungen haben wir vor kurzem unseren generalüberholten Flagship-Store in Mailand mit einem neuen Konzept neu eröffnet und unser Store in Antwerpen ist umgezogen. In diesen Tagen wird auch unsere siebte Pariser Boutique in der Rue de Charonne eröffnen und ganz bald wird auch unser neuer Store in Barcelona eingeweiht, der ebenfalls umgezogen ist.“

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Städte für die Stores aus?

„Vor allem im Ausland legen wir viel Wert darauf, dass sich unsere Verkaufsstellen an einer ausgezeichneten und strategisch günstigen Lage befinden. Wir suchen uns daher vor allem Städte aus, die in punkto Zielgruppe und Einstellung mit dem Universum von Liu Jo übereinstimmen und geben daher dynamischen Zentren und Platzierungen auf unseren Schwerpunktmärkten den Vortritt. Daher sind uns beliebte Shoppingmeilen sowie Bezirke mit eigener Identität natürlich am liebsten. Damit meine ich zum Beispiel die Rue de Charonne, wo unser neuester Pariser Store entstanden ist: Dieser Stadtteil ist ein wenig Boho und ein wenig Chic. Hier treffen stilistische Quellen und französische Identität auf eine dynamische Weise aufeinander, die vielleicht auch etwas identitärer und alternativer ist als das klassische Modell, das normalerweise mit dem Konzept einer Großstadt verbunden wird.“

Letztes Jahr haben Sie gesagt, dass China ein wichtiger neuer Markt ist. Warum ist das so und was sind Ihre Pläne dort?

„Der Ferne Osten ist allgemein ein Markt mit extremem Potenzial und dies gehört zu den mittel- bis langfristigen Zielen des Unternehmens. Das ist eine wichtige Herausforderung, und der letztes Jahr eröffnete Store im Plaza 66 nimmt vor allem aufgrund seiner Positionierung eine zentrale Stellung in dieser Hinsicht ein. Die nächsten Schritte werden derzeit noch festgelegt, werden aber mit Sicherheit auch die Werbung und Kommunikation auf diesem Markt beinhalten.“

Für diesen Herbst/Winter hat Liu Jo in Zusammenarbeit mit Candiani Denim die Better-Kollektion ins Leben gerufen, eine Kooperation, die auf die Frühjahr/Sommer-Range 2020 erweitert wurde. Wie beabsichtigt Liu Jo kurz- und langfristig, sich auf dem Markt für nachhaltige und umweltfreundliche Green Fashion weiterhin zu behaupten?

„Wie von Ihnen erwähnt, haben wir uns für die Saison Frühjahr/Sommer 2020 darauf konzentriert, unser Better-Angebot in mehreren Kategorien zu erweitern – neben den Jeans-Artikeln findet man in den Kollektionen White Label, Sport und Junior jetzt unter anderem auch Hemden und Strickwaren: Dabei bestand das Ziel darin, unseren Kunden ein möglichst vollständiges Angebot anzubieten, sodass sie sich ökologisch verträglich kleiden können. In allgemeiner Hinsicht versuchen wir, diesen Ansatz auf das gesamte Unternehmen zu erweitern. Dies ist ein langer Prozess, weshalb wir immer, wenn wir von unserem Ansatz hinsichtlich Nachhaltigkeit sprechen, unterstreichen, dass wir uns bereits auf den Weg gemacht haben, den wir tagtäglich untermauern. Wir haben im Zusammenhang mit #BetterTogether eine Aufklärungskampagne gestartet, die von der Notwendigkeit berichtet, einen anderen Kurs einzuschlagen, der vor allem im Bereich Mode Veränderungen mit sich bringt. Als Markenunternehmen reduzieren wir schrittweise die Verwendung von Plastik und in unseren Hauptniederlassungen ist es schon beinahe verschwunden. Dies liegt beispielsweise auch daran, dass wir unsere Einkaufstüten aus Plastik durch Tüten aus recyceltem und zertifiziertem Papier ersetzt haben. Als nächstes werden wir schrittweise die Auflage unser gedruckten Kataloge reduzieren, indem wir der digitalen Ausführung den Vortritt geben, und wir setzen weiter auf die Fortbildung unserer Mitarbeiter in den Verwaltungsniederlassungen und Verkaufsstellen. Wir arbeiten weiter an der Forschung und Innovation unserer Produkte und wirken immer gezielter auf die gesamte Produktionskette ein.“

Der Weg hin zu Green Fashion startete bei Ihnen im Bereich Denim, weil dieser die Marke Liu Jo am besten repräsentiert. Ist selbiger der wichtigste Bestandteil auf jedem Markt oder gibt es dabei Unterschiede?

„Denim ist allgemein eine der Liu Jo-Produktkategorien, die in all unseren Märkten am besten läuft. Zwar ändern sich die Vorzüge hinsichtlich Passform und Waschung, je nach Bezugsmarkt, aber Jeansstoff bietet als Produkt deutliche und anerkannte Leistungsmerkmale, die in allen unseren Hauptmärkten zu optimalen Ergebnissen führen.“

Welche Pläne haben Sie für die Better Herbst/Winter-Kollektion 2020/21?

„Wir arbeiten weiter an der Produktforschung und Innovation, was natürlich auch für die Saison Herbst/Winter 2020/21 gilt. Die Kollektion ist derzeit noch im Entstehen, aber wir arbeiten an zehn unterschiedlichen Serien mit Passformen von Skinny bis Slim, über die Schnitte Flare, Bootcut und Boy, wozu sich auch ein Hemd gesellt.“

Bei der Einführung der Better Denim-Kollektion haben Sie die Einkaufstüten aus Plastik durch Papiertüten ersetzt. Gab es dazu direkte Reaktionen seitens der Konsumenten? Wissen sie diesen Wechsel zu schätzen?

„Beide Initiativen wurden mit der Saison Herbst/Winter 2019 eingeführt, weshalb es noch zu früh ist, dazu etwas zu sagen. Dies vor allem, weil es langwierige Prozesse sind, die schrittweise zu einem Umweltbewusstsein führen. Ich kann aber mit Sicherheit sagen, dass unsere Verbraucherinnen dieses Umdenken begrüßen, indem sie ihr Interesse bekunden und unsere Bemühungen und neuen Denim-Produkte unterstützen. Die Tatsache, dass Liu Jo aktiv etwas Konkretes unternimmt, ist ein deutliches Signal, das von den Verbrauchern anerkannt wird.“

Vor einiger Zeit, in 2016, hat Deutschlandchef Jörg Korfhage gesagt, dass Liu Jo hierzulande nicht dieselbe Marktdurchdringung wie in vielen südeuropäischen Ländern aufweist und dass die Marke daran arbeitet. Können Sie die Entwicklung und den Fortschritt in den letzten Jahren beschreiben?

„Die Aussage stimmt und auch wenn das Wachstum in den letzten Jahren bedeutend war, ist die Anzahl der Kunden und das allgemeine Markenbewusstsein in Deutschland nicht mit unseren drei Hauptmärkten Italien, Frankreich und den Beneluxländern vergleichbar; ich kann aber sagen, dass wir in den letzten drei Jahren in jeder Saison ein kontinuierliches Wachstum von +15/20% verzeichnen konnten. Dazu gehören auch für 2019 ein wahrnehmbarer Umsatzanstieg sowie eine wachsende Anzahl von Abnehmern (derzeit 350), zu denen die besten Kaufhäuser zählen. Im Moment stellt Deutschland in der Kategorie Umsätze unseren fünften Marktplatz dar, ist aber mit Sicherheit ein Markt, mit dem wir uns in den nächsten Saisons in punkto Werbung und Vorgehen noch eingehend beschäftigen werden.“

Auf der Berlin Fashion Week zählte Liu Jo zu den Premium-Ausstellern. Was denken Sie über den anstehenden Umzug der anderen Messen (Panorama Berlin, Selvedge Run, Neonyt) nach Tempelhof? Und ändert dies irgendetwas für Liu Jo?

„Was uns betrifft, so werden wir auf der nächsten Premium Berlin im Januar 2020 wieder denselben Ausstellungsraum und Stand haben, weil wir der Meinung sind, dass die Positionierung auf der Messe und ihr Publikum sehr stark mit Liu Jo verbunden sind. Mir ist bewusst, dass sich in Berlin vieles ändert, vor allem, nachdem bekannt gegeben wurde, dass die Panorama Berlin im Januar 2020 im Flughafen Tempelhof stattfinden wird, wo einst auch die Bread & Butter veranstaltet wurde; dies ist zweifelsohne eine sehr faszinierende Location mit unvergleichlich historischem Wert für die Modewelt, aber meiner Meinung nach ist das Konzept der Messe zurzeit noch nicht ausgereift. Ich bin der Meinung, dass eine Messe derzeit nicht nur als Location dienen sollte und Aufträge generieren sollte, die auch über individuelle Showrooms und B2B geschaffen werden sollten, sondern auch, die Klienten mit einer eigenen Version des Marktes zu inspirieren, und in dieser Hinsicht passt die Premium derzeit besser zu unseren Zielen der Positionierung.“

Was sind die Ziele für Liu Jo in den nächsten Jahren?


„Wir setzen ganz sicher weiterhin auf Internationalisierung, indem wir dort, wo es sich anbietet, an der Festigung des Verbraucherbewusstseins arbeiten, und wir konzentrieren uns auf solche Märkte mit wichtigem Potenzial, darunter Deutschland und der Ferne Osten.“

Vielen Dank für das Interview!

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