Seit rund 14 Jahren sind Sven Andersson und Ralf Grossmann als Geschäftsführer der Schuh-Import und Export Gerli GmbH, unter der die Marke Dockers by Gerli läuft, tätig; für das Label zeichnen beide bereits noch länger verantwortlich. Grossmann, zuständig für Produktentwicklung sowie Ein- und Verkauf, spricht im Interview von den Änderungen im Hinblick auf die Produktionsländer, erklärt die Kollektionsentwicklungen und verrät Zukunftspläne der Marke, während Andersson, der den Export- und Import-Bereich leitet, erläutert, welche Märkte wichtig sind und welche noch erschlossen werden sollen.
Dockers by Gerli produziert in erster Linie in China und Vietnam, mit Portugal und Spanien taucht aber auch Europa zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder in der Liste der Produktionsländer auf. Welches Konzept steckt dahinter?
Grossmann: „Mit der Produktion in Spanien und Portugal können wir Tendenzen schnell aufgreifen und umsetzen. Ein europäisches Produkt bedeutet, dass kurze Transportwege und schnelle Reaktionen möglich sind.“
Der Umsatz des Labels stieg 2014 zum dritten Mal in Folge. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 setzte sich diese Entwicklung mit einem Anstieg von 6,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fort. Kann dieses Niveau auch im zweiten Halbjahr gehalten werden? Mit welchen Zahlen rechnen Sie für das Gesamtjahr?
Grossmann: „Wir rechnen mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau.“
Die Exportquote ist mit knapp 35% konstant geblieben. Die wichtigsten Märkte sind Österreich, Belgien, Frankreich, Skandinavien und die Schweiz. Russland ist aufgrund der Gesamtsituation deutlich rückläufig, ebenso wie Polen. Positiv haben sich die Exporte in den mittleren Osten entwickelt. Hat sich dieser Trend in 2015 fortgesetzt? Gibt es Pläne für neue Markt-Erschließungen?
Andersson: „In die Liste unserer wichtigsten Exportländer kann noch Italien und Finnland aufgenommen werden. Für Skandinavien haben wir außerdem einen neuen Vertreter. Unser bester Markt in den ehemaligen Ostblockstaaten ist in Kroatien und den Ex-Jugoslawien-Staaten. Im mittleren Osten entwickelt sich unser Geschäft, hauptsächlich FOB, weiterhin sehr positiv. Aktuell streben wir eine Zusammenarbeit mit einem größeren iranischen Kunden an. Hier laufen gerade noch Verhandlungen.“
2014 hat das Dockers by Gerli-China Office in Dongguan den Betrieb aufgenommen. Welche Veränderungen brachte dies bislang mit sich?
Grossmann: „Das China-Office ist vor allem die neue Anlaufstelle für unsere Key Accounts, die über den dort neu eingerichteten Showroom die Kollektion sichten und ordern können. Außerdem sind wir so viel näher an unseren Lieferanten.“
Eine der wichtigsten Investitionen in 2013 war die Etablierung eines 100 qm großen Showrooms in Mainhausen. Gab es seitdem weitere Openings bzw. sind weitere Showrooms geplant?
Grossmann: „Nein, aktuell ist nichts geplant.“
Ende 2014 hat Dockers by Gerli mit der „Soft in Sole“, einer Innensohle aus High Tech PU Schaum, eine Innovation auf den Markt gebracht, mit der der Tragekomfort einen höheren Grad erreichen soll. Welche weiteren Innovationen hat es seitdem gegeben und welche stehen noch in der Pipeline?
Grossmann: „Wir arbeiten seit kurzem mit Sympatex zusammen, deren Membrane wir in einem Herren- und einem Damenmodell einsetzen.“
2006 machte Dockers by Gerli noch 70% des Umsatzes mit Herren-, 30% mit Damen- und 0% mit Kinderkollektionen; 2012 entfielen 20% auf die Kinderkollektion, im Herrenbereich lag der Anteil bei 45%, die Damenkollektion erwirtschaftete mit 35% gut ein Drittel. Wie teilt sich der Umsatz mittlerweile auf?
Grossmann: „Der Umsatz teilt sich mittlerweile wie folgt auf: 50% entfallen auf die Herrenkollektionen, 33% auf die Linien für Damen und 17% auf die Kindermodelle.“
2013 feierte das Unternehmen 40-jähriges Firmenjubiläum, welche Ziele haben sie – sollten Sie bereits so weit planen – bis zum 50-Jährigen mit der Marke? Und welche kurzfristigen Pläne gibt es?
Grossmann: „Wir wollen die Marke weiter im Fachhandel stärken, vor allem durch mehr Marketing- und POS-Maßnahmen. Wir rechnen mit weiteren Zuwächsen im Export.“
Gibt es Pläne für eigene Stores, einen eigenen B2C- und/oder B2B-Webshop? Falls nicht, warum nicht?
Grossmann: „Wir haben derzeit keine Pläne für eigene Stores oder einen Webshop. Grund dafür ist, dass wir nicht in Konkurrenz zu unseren Kunden treten möchten.“
Auf welchen Messen wird Dockers by Gerli 2016 vertreten sein und warum? Welche Rolle spielen Messen für die Marke und wie wichtig sind diese Ihrer Meinung nach generell (noch) für die (Schuh-)Branche?
Grossmann: „Messen verlieren unserer Meinung nach generell an Bedeutung. Unsere Key Accounts kommen wie erwähnt nach China, unsere Kunden werden von unserem Außendienst-Team persönlich angefahren und wir haben Dependenzen in den Ordercentern. Wichtig ist für uns eigentlich nur die Expo Riva Schuh, da wir hier das erste Mal unsere Kollektion präsentieren.“
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
