„Herr Grahm, was macht eine gute Zusammenarbeit mit dem Handel aus?“

  /  27.04.2026

Marcus Grahm, neuer CEO von Gang, verrät im Interview, wie das Label auch in Zukunft ein vertrauensvoller Partner für den Handel sein wird…

Marcus Grahm

Seit Anfang April 2026 ist Marcus Grahm neuer CEO von Gang, nachdem er die Marke bereits seit 2021 als Agent in Bayern betreut hat. Im Interview spricht er über den Schlüssel zum Erfolg, den Faktor Mensch, Stärken und Herausforderungen.

Herr Grahm, was bringen Sie für Gang und was bringt Gang für den Handel mit?


„Die Grundvoraussetzung jeder Zusammenarbeit ist Vertrauen. Der Handel vertraut Gang, ich vertraue Gang und Gang vertraut mir. All dies geschieht nicht von heute auf morgen, sondern Vertrauen erarbeitet man sich jeden Tag aufs Neue. Und das soll auch mein Handeln prägen, authentische, ehrliche und vor allem transparente Entscheidungen. Gang hat sich gut überlegt, wie sie sich für die Zukunft aufstellen wollen, ein neuer CEO war keine zwingende Notwendigkeit, sondern eine aktive vorrauschauende Entscheidung. Diesen Unternehmergeist möchte ich fortführen, Altbewährtes stärken und neue Ideen und Herangehensweisen etablieren, um sich bestmöglich auf die täglichen Herausforderungen einzustellen. Gang soll und wird so auch in Zukunft ein vertrauensvoller Partner für den Handel sein – und ein Unternehmen, dessen Produkte sowohl modisch als auch betriebswirtschaftlich überzeugen.“

Ein vertrauensvoller Partner für den Handel - was heißt das im Detail?

„Es geht um klare Erwartungen, die auch erfüllt werden – und um ein ehrliches, verlässliches Miteinander auf Augenhöhe. Letztendlich entscheidet auch immer das Produkt, ob eine Partnerschaft positiv beeinflusst wird. Ohne starke betriebswirtschaftlichen Kennziffern wird das nicht der Fall sein. Je häufiger es Gang gelingt, dies unter Beweis zu stellen, umso mehr wächst Vertrauen. Gleichzeitig gehört für uns mehr dazu: eine klare und authentische Markenkommunikation, partnerschaftliche Angebote und die Frage, wie wir Gang am POS noch erlebbarer machen können. Ein starkes Vertriebsteam und ein lösungsorientierter Customer Service sind dabei genauso entscheidend.“ 

Sie haben die Steuerung von Vertrieb, Produktion, Marketing und E-Commerce übernommen. Welche kurz- und langfristigen Ziele haben Sie sich für die jeweiligen Bereiche gesetzt?

„Kurzfristige Ziele sind im Wesentlichen erst einmal alle Bereiche genau zu beleuchten, Stärken zu manifestieren, aber auch Schwächen klar zu identifizieren und Prozesse zu etablieren, um sich besser aufzustellen. Zudem werde ich die ‚Gang‘ kennenlernen und meine Strategien und Gedanken transparent machen, um jeden Mitarbeitenden mitzunehmen. Auch hier zählt für mich der Faktor Mensch, denn wenn alle gemeinsam in eine Richtung denken und handeln, lässt es sich erfolgreich wirtschaften. Dabei sind transparente Strukturen für mich der Schlüssel zum Erfolg. Darüber hinaus möchte ich dieses Denken zu unseren Produzenten spiegeln. Denn auch hier wird der Erfolg von den handelnden Personen geprägt.“ 

Die Marke will vor allem die Präsenz in deutschen Großstädten sowie auch in den Benelux Ländern ausbauen. Wie soll dies umgesetzt werden?


„Hier gibt es verschiedene Ansätze. Wir möchte über eine moderne Bildsprache auch die ‚Big City-Kundin‘ ansprechen. Außerdem intensivieren wir die Marketing-Kooperationen im Social- und Print Media-Bereich und verstärken die Vertriebsaktivitäten.“
 
Sie möchten Gang „mit einem klaren Blick nach vorne und mutigen Impulsen authentisch weiterentwickeln“. Welche Impulse sind das?

„Es ist wichtig, das Selbstbewusstsein jedes Einzelnen zu stärken, klare Strukturen und Prozesse umzusetzen, das ‚Gang-Wir-Gefühl‘ weiter pushen und vor allem jeder einzelnen Person klar aufzuzeigen, wie wichtig sie für den Erfolg ist. Zudem wollen wir die regionale Bindung und Bekanntheit des Unternehmens als Arbeitgeber weiter ausbauen, um auch in Zukunft als erfolgreiches Team zu agieren. Ein intensiver Schulterschluss mit unseren Produzenten spielt dabei ebenfalls eine zentrale Rolle.“

Im Hinblick aufs Produkt: Wo sehen Sie die Stärken von Gang und wo liegt noch Potenzial?

„Modische Denims sind unsere Kernkompetenz, eine hohe Lagerverfügbarkeit, exzellenter Customer Service und der Mut, immer was Neues auszuprobieren, gehören sicherlich auch zu unseren Stärken. Zudem haben wir uns im Cord-Bereich gut entwickelt. Potential sehe ich im Bereich der Stoff und Wollhosen, aber auch da sind wir auf einem guten Weg.“

Sie blicken auf rund 20 Jahre Erfahrung im Modevertrieb zurück, haben die Modeagentur Kasberger und Grahm sowie das Label 2XM gegründet. Was waren bislang Ihre größten Herausforderungen?

„Die Corona-Zeit und alles, was danach kam, hat uns und jedem anderen Modeunternehmen alles abverlangt. Nahezu alle Bereiche der Wertschöpfungskette haben sich verändert und stellen uns nach wie vor täglich vor neue Herausforderungen.“

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Modebranche ein? Vor welchen Herausforderungen steht man bzw. steht auch Gang derzeit als Marke und wie treten Sie diesen gegenüber?

„Eine der größten Herausforderungen ist meiner Meinung nach die fehlende Planbarkeit im Bereich Konsum, der maßgeblich durch die weltpolitische Lage beeinflusst wird. Diese Unsicherheit verändert das Verhalten von Konsumenten und Produzenten gleichermaßen. Für uns bei Gang bedeutet das vor allem, noch enger zusammenzurücken und klar zu bleiben in dem, was wir tun. Damit sind wir wieder bei dem zentralen, bereits zu Beginn des Interviews angesprochenen Thema: Vertrauen. Vertrauen in das Produkt, in die Partnerschaft und in gemeinsame Entscheidungen. Denn nur so können wir gemeinsam versuchen, auch in Zukunft erfolgreich am Markt teilzunehmen.“

Vielen Dank für das Interview! 

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