Vom Bench-Markenzeichen Funnel-Neck-Sweat, dem Fleece mit dem charakteristischen Kragen, finden sich auf dem Markt mittlerweile 1:1-Kopien von diversen Anbietern. Da fragt man sich: Ist Bench nicht längst eine Massenmarke bei der hohen Anzahl von Kopisten?
„Leider haben wir vor zehn Jahren nicht damit gerechnet, dass wir diesen speziellen Bench-Kragen als Icon im Markt platzieren werden. Wir haben den Kragen nicht patenrechtlich schützen lassen. Dennoch gehen wir, inzwischen sogar mit eigener Rechtsabteilung, sehr schnell und streng gegen Kopisten vor. Unsere ganz eigene Bench DNA – unseren so speziellen Bench-Style haben wir uns trotzdem erhalten. Logopositionen, Materialmixe, Detaillösungen, wie neue Kapuzenlösungen, besondere Bündchen etc. lassen sofort erkennen, dass es sich um ein ‚Bench Teil‘ handelt. Es ist unser wichtigstes Gut, dass wir unsere CI, unser Herz und unsere Wurzeln beibehalten. Und dazu gehört natürlich auch, dass wir immer wieder neue Ideen umsetzen, die den urbanen, sportlichen und einzigartigen Bench Style ausmachen. Unsere Partner, die ja diejenigen sind, die den enormen Erfolg ausgemacht haben, wählen wir sehr sorgfältig aus und bauen auf langfristige Partnerschaften.“
Wie machen Sie das? Was meinen Sie im Speziellen?
„Wie schon angedeutet, sind wir sehr stolz auf unsere Partner. Wir sind mit Ihnen gewachsen und stehen nur für uns häufiger vor der Problematik, dass unsere Strukturen dem Wachstum angepasst werden. Wir arbeiten sehr intensiv mit unserem Mutterkonzern in England an den wichtigen Vertriebsbestandteilen wie z.B. einer schnellen Lieferfähigkeit, einer hohen Nachlieferungsquote, hohen und definierten Qualitätsstandards und einer direkten Reklamationsabwicklung. Unsere Kunden sind zu 60% Trendstores, die schon in den ersten Jahren dazu gekommen sind. Mit diesen Kunden arbeiten wir sehr eng und intensiv zusammen. Wir sind auf die, zum Teil auch kritischen Rückmeldungen angewiesen, da ja die Situation des Marktes nicht immer einfach ist. Im Bereich Marketing/Kommunikation arbeiten wir mit einem sehr professionellen Team, dass nicht nur für die klassischen Tools wie POS Material und Kampagnen verantwortlich ist, sondern auch hoch dotierte Kooperationen umsetzt, wie das Hauptsponsoring des Melt! Musik-Festivals. Mit unserer PR Agentur bauen wir junge Künstler aus der Musikszene auf.“
Der Funnel-Neck ist eine Ikone, die eng mit dem Image der Marke verknüpft ist. Aufgrund der vielen Kopien und der vielen verkauften Teile fragen sich Ihre Konkurrenten: Und was kommt nach dem Funnel-Neck?
„Die absichtliche Entwicklung eines Icons halte ich nach unserer Erfahrung aus den letzten Jahren für kaum möglich. Es gibt so viele Parameter, die darüber entscheiden, welche Art von Style Ikonisierungspotenzial hat. Es war damals ja auch nicht in erster Instanz der Funnel Neck Kragen, sondern vielmehr der Fleece an sich. Wir haben ihn ja als Style- und Modeteil wieder zurück auf die Straße gebracht und vom Staub befreit. Nun ist aber, nicht nur durch Bench, sondern eben auch durch die Attraktivität der vielen verschiedenen guten anderen Fleece-Entwicklungen der letzten Jahre eine Sättigung erreicht, die auch in Punkto Marktanteile nicht mehr zu steigern ist. Wir glauben, dass sich jetzt neue Materialien erst einmal den Weg bahnen: funktionale aber trendige Softshells, neu entwickelte Strickmaterialien, Neuinterpretationen von bekannten Styles aus der Mode für sportlich urbane lässige Menschen.“
Der Frauen-Anteil der Marke lag anfänglich bei 85%, Männer 15%, jetzt liegen die Anteile bei 60 zu 40. Wie wirkt sich das auf den Umsatz aus?
„Wir haben sehr hart an dieser Anteilsverschiebung gearbeitet. Unsere Wurzeln in Musik und Streetstyle sind ja eigentlich auch eher „männlich“, „rough“ – sogar als corelastig im Sinne der Manchester Szene zu verstehen. Deswegen sind wir natürlich zum einen sehr stolz auf den schnellen Erfolg bei den Damen, aber haben auch intensiv an den Kollektionsbereichen der Männer gearbeitet. Die Durchsetzung im Markt, dass es Bench überhaupt für Männer gibt, hat einfach länger gedauert als bei den Frauen. Das lag bestimmt auch an den zu Beginn starken Kollektionsbestandteilen wie dem Fleece, der ja eher ein Kleidungsstück für die Damen ist.“
Wie hoch ist im Vergleich dazu der Umsatz in England?
„In England gibt es die Marke schon einige Jahre länger und die Positionierung darf man nicht vergleichen. Wir machen in dem Land unseres Mutterkonzerns einen etwas höheren Umsatz als in den Ländern, die wir betreuen (Deutschland, Schweiz, Österreich, Benelux).“
Was sind die nächsten Ziele?
„Langfristig, sprich ungefähr in den nächsten fünf Jahren, planen wir den Börsengang.“
Wie sieht es mit der Expansion über Bench-Stores aus? Planen Sie einen Flagship?
„Eigene Flagship-Stores planen wir nicht. Die Bench-Stores in Deutschland und Österreich sind ausnahmslos Franchise Läden, die wir mit einem speziellen Partnerkonzept unterstützen. Ende des Jahres werden es nach Planung unserer Retailverantwortlichen 52 Bench-Stores sein. Wir sind hier sehr sensibel in Bezug auf unser Wachstum. Die Zahl unserer Franchise Partner werden wir in den nächsten fünf Jahren auf ca. 100 erhöhen.“
Planen Sie weiteres Wachstum über eine weitere Diversifikation der Marke?
„Wir haben ja gerade erst die ersten kleinen Schritte mit unseren Linien Bench Kids, Bench Sport und Bench Footwear gemacht. Zwar sind auch die für die ersten Kollektionen sehr erfolgreich, aber wir sind da sehr aufmerksam für den richtigen Aufbau im Markt. Der Wachstum für den Sportbereich lässt sich bisher schwer abschätzen, weil die zwei Sommer- und die zwei Winterkollektionen bisher sehr erfolgreich waren.“
Nimmt man Bench im Sport-Umfeld das Spezialisten-Image ab?
„Wir versuchen gar nicht ein Spezialisten-Image zu kreieren. Wir stehen für urbanen, aktiven Lifestyle und liefern Produkte, die genau diesen Lebensstil unterstreichen. Lässige Schnitte, funktionierender Style sind wichtiger als die höchstmögliche Wassersäule. Schutz gegen Wind und Wetter ist unabdingbar, aber trotzdem wichtig, dass wir im Preis-/Leistungsverhältnis für unsere mode- und stilbewusste Zielgruppe bleiben.“
Vielen Dank für das Interview!
„Herr Argendorf: Wieviel Wachstum kann Bench noch verkraften?“
/ 08.06.2011Als Hanjo Argendorf Bench vor zehn Jahren in den deutschen Markt holte, arbeitet er mit seiner Vertrauten Isabelle Opitz-Ferzandi im Keller seines Privathauses. Mittlerweile hat das Büro in München über 40 Angestellte, gerade werden die Abteilungen einem strukturellen Umbau unterzogen und Bench verkauft im Geschäftsjahr 6 Millionen Teile. Wie geht Herr Argendorf mit dem Marken-Hype um?

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