„Frau van der Ham, was unterscheidet mvdham von anderen Brands?“

  /  10.02.2020

Miriam van der Ham, Gründerin des neuen Labels mvdham, spricht im Interview über die Idee hinter der Marke, Designer Henrik Vibskov und urbanen Eskapismus…

Miriam van der Ham

Das Berliner Label mvdham, gegründet von Miriam van der Ham, hat kürzlich die erste Kollektion, inspiriert von Outdoor-Bekleidung und angepasst an die Bedürfnisse des urbanen Alltags, vorgestellt und mit einem selbst entwickelten Zweilagen-Gewebe aus Seide und Wolle bereits den Ispo Brandnew Award 2020 gewonnen. Im Interview verrät van der Ham die Idee hinter der Marke und spricht über Nachhaltigkeit, den richtigen Zeitpunkt sowie Zukunftswünsche.

Sie haben auf der Ispo Ende Januar Ihr Label mvdham gelauncht. Wie kam es zur Idee und Gründung?


„Die ersten Ideen zu dem Label kamen vor etwa zehn Jahren auf. Mit dem sogenannten Megatrend ‚Urbaner Eskapismus‘ zogen High Tech-Jackets und protzige Geländewägen in die Stadt, um den Menschen ein wenig das Gefühl zu vermitteln, bei etwas Extremen dabei zu sein. Das war spannend. Menschen trugen auf einmal Jacken, die konzipiert waren, um hohe Berge zu erklimmen, über ihrer Abendgarderobe. Das war teilweise sehr reizvoll, da kontrastreich, andererseits war dies aber viel zu viel Funktion für den Bedarf in der Stadt.“

Die Modebranche hat aktuell zu kämpfen, für viele Marken lief es schon mal besser. Ist dies trotzdem der richtige Zeitpunkt, ein neues Label zu launchen und warum?

„Für uns ist es genau der richtige Zeitpunkt, unsere Marke zu launchen. Und damit meine ich nicht nur bezüglich unserer Ideen für die Kollektion, sondern auch, was eine neue Form der Unternehmensführung angeht. Für etablierte, lange bestehende, große Marken stelle ich mir vor, dass es schwierig ist, nun die Richtung neu auszuloten, aber wir können schon mit dieser neuen Richtung starten. Zum einen sind wir extrem schlank aufgestellt und fokussieren uns auf wenige Styles, Materialien und Lieferanten. Außerdem bleiben wir mit unseren Lieferanten und der Produktion so lokal wie möglich. Alle direkten Partner sind entweder in Deutschland oder in einem der Nachbarländer lokalisiert. Das hält den Komplexitätsgrad gering und wir können schnell reagieren. Zusätzlich glauben wir fest daran, dass sich die einzelnen Industrien in Zukunft öffnen müssen und mit der Zeit ineinander verschmelzen werden. Wir fühlen uns beispielsweise in folgenden drei Industrien zu Hause: Outdoor, Fashion und Sustainable Fashion. Der urbane Eskapismus war ein sehr früher Trend, bei dem man diese Verschmelzung bereits erkennen konnte. Heutzutage gibt es ja viele Marken, die Urban Outdoor Fashion machen, die alle mindestens in zwei der oben genannten Welten zu Hause sind.“

Sie haben bereits mit Designer Henrik Vibskov zusammengearbeitet. Inwiefern beeinflusst das die Kollektionen für Ihr eigenes Label?


„Die Zeit bei Henrik Vibskov hat mich sicherlich geprägt. In meinen Schnitten und in der Art und Weise, wie ich mit Farbe umgehe, wird man seine Einflüsse sehen. Aber nicht nur die Arbeit im Studio bei Henrik Vibsov war inspirierend, sondern auch die Stadt Kopenhagen. Es ist so fantastisch, wie sich die Menschen auf natürliche Art und Weise stilvoll kleiden, die Architektur, die Alt und Neu auf so harmonische Art und Weise verbindet, der Umgang mit Mobilität und Umwelt, die Einrichtung... Sie merken – ich bin ein Fan.“

Sie waren außerdem als Kostümbildnerin für Film und Theater tätig. Welchen Einfluss hat diese Arbeit auf mvdham? Die Kollektion kommt ja eher clean daher, ein Gegensatz zu den Kostümen im Theater?

„Die Arbeit als Kostümbildnerin beim Film kann man nur schwer mit einer Label-Gründung vergleichen und doch gibt es viele Parallelen. Einen Film auszustatten bedeutet intensive, kreativ soziale Prozesse zwischen Regie, Schauspiel und Kostümbild plus einen enormen logistischen Aufwand und man selbst ist sehr viel unterwegs. Ein Label zu gründen ist auch ein enorm logistischer Aufwand, aber man selbst bleibt an Ort und Stelle und trifft alle Entscheidungen hauptverantwortlich für die Marke.“

Zur Herstellung ihrer Kollektionsteile werden ausschließlich natürliche Materialien verwendet. Woher werden die Stoffe bezogen und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit generell für Sie?

„Genau, wie schon erwähnt ist es uns ein großes Anliegen, den Produktionsapparat so einfach wie möglich aufzubauen. Unsere Stoffe beziehen wir aus der Schweiz, Deutschland und Dänemark, in Deutschland befindet sich unsere Stepperei und in Polen lassen wir die Kollektion fertigen, zweieinhalb Stunden mit dem Zug von Berlin entfernt. Nachhaltigkeit ist für mich eine Grundeinstellung und beginnt im Alltag, reicht hinein in die Kollektionsentwicklung, in die Produktionsprozesse und Entscheidungen wie auch in die Unternehmensführung. Ganz konkret bedeutet das für uns bei mvdham, auf Plastik zu verzichten und nur mit natürlichen Materialien zu arbeiten und die Wege kurz zu halten.“

Ihre erste Kollektion zeigt sich inspiriert von Outdoor-Bekleidung, angepasst an die Bedürfnisse des urbanen Alltags. Können Sie näher ins Detail gehen?

„Die Schnitte sind inspiriert von extremer Outdoor-Bekleidung, sind aber im Detail angepasst an die Bedürfnisse des aktiven, urbanen Alltags. So hat beispielsweise der Allwettermantel eine übergroße Kapuze, wo der Fahrradhelm locker drunter Platz hat. Zudem ist der Mantel extralang, um beim Fahrradfahren besser geschützt zu sein. Nicht nur die Schnitte und Details sind angepasst an die Bedürfnisse des urbanen Alltags, auch die Funktionen der einzelnen Stoffe. Wir verzichten komplett auf synthetische Fasern und nutzen ausschließlich die natürlichen Funktionen der natürlichen Fasern wie beispielsweise Wolle, Seide und wasserdichter Baumwolle. Für unsere Allwetterjacken und Mäntel verwenden wir beispielsweise eine 100%ige Baumwolle, die eine natürliche DWR-Imprägnierung besitzt. Mit diesem Stoff ist man mehrere Stunden vor Wind und Wetter geschützt – also allemal ausreichend für den alltäglichen Weg durch den urbanen Dschungel.“

Sie haben ein Zweilagen-Gewebe aus Seide und Wolle, Lapalue, entwickelt. Wie ist dies entstanden?

„Wir waren auf der Suche nach einem Stoff für unsere wärmenden Midlayer-Jacken. Wir wollten eine Alternative zu herkömmlichen leichten Steppjacken schaffen, die man aus dem Outdoor-Bereich kennt, die aber aus rein natürlichen Materialien sind. Wir konnten keinen Stoff finden, der wärmt, atmungsaktiv ist, nicht riecht und Feuchtigkeit aufnimmt, sodass wir entschieden haben, Lapalue zu entwickeln – einen neuen Steppstoff, hergestellt aus 100% Seide und 100% Wolle. Wolle und Seide sind auf natürliche Art und Weise atmungsaktiv und reagieren auf die Körpertemperatur des Trägers. Lapalue wirkt also wärmend – reguliert gleichzeitig aber auch, sodass es sich nie zu warm oder zu kalt anfühlt. Prädestiniert für ein Everyday Piece oder die Lieblingsjacke, was man einfach immer dabei haben muss.“

Die Kollektion widmet sich dem aktiven Städter, der Wert auf Nachhaltigkeit legt und dabei Stil und Funktionalität miteinander verbinden möchte. Welche Stores wollen Sie ansprechen?

„Wir fühlen uns ja in den Bereichen Outdoor, Fashion und Sustainable Fashion zu Hause. Da es im Bereich Urban Outdoor noch nicht viele Retail-Möglichkeiten gibt, sehe ich unsere Kollektion in Fashion-Boutiquen, Sport- und Modehäusern und sustainable Concept-Stores.“

Was unterscheidet ihr Label von anderen nachhaltigen (Berliner) Marken?


„Unser Anliegen ist es, umweltbewusst zu handeln und wir sind in vielen Geschäftsbereichen auf einem guten Weg. Ganz konkret bedeutet das, auf Plastik und synthetische Fasern zu verzichten. Uns interessiert die Funktion der natürlichen Fasern und wir wollen mit unseren Jacken und Mänteln eine echte Alternative zur urbanen Outdoor-Bekleidung aus synthetischen Fasern sein. Mit dieser Entscheidung können wir einen Teil dazu beitragen die Mikroplastikbelastung in unseren Gewässern zu reduzieren. Unser zweiter Grundsatz ist es, die Lieferkette so lokal wie möglich zu gestalten. Dieser Entscheidung ermöglicht es uns, weniger CO2 Ausstoß zu verantworten und unseren ökologischen Fußabdruck gering zu halten.“

Planen Sie einen eigenen B2C- und/oder B2B-Shop?


„Unser Preorder-Webshop für den Endverbraucher ist gerade online gegangen. Bis zum 20. März 2020 hat man die Möglichkeit, ein erstes Teil von mvdham vorzubestellen zu speziellen Konditionen. Langfristig planen wir den Preorder-Webshop zu einem ‚normalen‘ B2C-Webshop umzustellen. Der B2B-Kunde hat ebenfalls die Möglichkeit, die Kollektion bis zum 20. März zu ordern. Auslieferung ist Mitte August.“

Sind die Berliner Fachmessen für Sie und Ihre Marke ein Thema?

„Ja, die Neonyt ist eine spannende Messe und für uns relevant. Paris, Florenz und Kopenhagen werden aber in Zukunft bestimmt auch eine wichtige Rolle spielen.“

Welche Ziele haben Sie sich kurz- und langfristig für Ihre Marke gesetzt?

„Momentan sind wir dabei, die Marke aufzubauen, mit dem Handel im Gespräch und bereiten unsere erste Produktionsphase vor, die im Frühjahr stattfinden wird. Als nächstes steht die Männerkollektion an. Die Nachfrage auf der Ispo war sehr groß und in Bereich Menswear gibt es spannende Shops, die sich auf Urban Outdoor spezialisiert haben. Mittelfristig wollen wir unseren B2C-Preorder-Shop zu einem richtigen Onlineshop umstellen und sind langfristig an Investoren interessiert, die uns bei einem gesunden Wachstum unterstützen.“

Vielen Dank für das Interview!

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