„Frau Meini, wie wollen Sie den deutschen Markt erobern?“

  /  09.02.2026

Elisa Meini vom Label Cuoieria Fiorentina, das jetzt den deutschen Markt angehen will, spricht im Interview über künftige Retail-Partnerschaften, Kundenbedürfnisse und Qualitätskenner…

Elisa Meini mit Ehemann & Vertriebsleiter Gregorio Ristori

Die toskanische Marke Cuoieria Fiorentina kommt nach Deutschland und Österreich; den Vertrieb übernimmt mit der Order-Saison Herbst/Winter 2026/27 die Full-Service-Agentur Prins-Juric. Elisa Meini, neben ihrem Vater Tiziano Meini Teil der Cuoieria Fiorentina-Geschäftsführung und Head of Design, verrät im Interview, was den deutschen und österreichischen Markt auszeichnet, wie Handelspartner künftig unterstützt werden und wie es zur Zusammenarbeit mit der Vertriebsagentur Prins-Juric kam.

Deutschland und Österreich sind für Cuoieria Fiorentina schon länger Wunschmärkte. Was hat den Ausschlag gegeben, diese Märkte jetzt anzugehen?

„Viele der Kunden in unseren italienischen Stores kommen aus dem D.A.CH.-Raum und haben uns sehr positives Feedback gegeben. So haben wir erkannt, dass unser Label und unsere Produkte auch vom D.A.CH.-Markt geschätzt werden könnten. Wir sind überzeugt, dass wir dank des Wachstums und der Entwicklung in den Ländern, in denen wir bereits seit einigen Jahren tätig sind, die nötige Reife erreicht haben, um in neue Märkte einzutreten – trotz der herausfordernden globalen wirtschaftlichen und sozialen Lage.“

Warum kommt das Prädikat „Made in Italy“ bei den Endkundinnen und -kunden hierzulande so gut an?


„Ich glaube, dass Kunden aus Deutschland und Österreich ein sehr tiefgehendes Verständnis für das Label ‚Made in Italy‘ haben. Sie verstehen und spüren auf gewisse Weise die Qualität, die damit einhergeht. Ich würde sagen, dass sie echte Qualitätskenner sind.“

Wie kam die Zusammenarbeit mit der Agentur Prins-Juric zustande? 

„Unsere PR-Agentur Masali hat die Zusammenarbeit mit Damir und Henk möglich gemacht und uns zusammengebracht. ‚Connecting the dots‘ sozusagen. Die Connection mit Prins-Juric war von Anfang an sehr positiv. Wir teilen dasselbe Verständnis, dieselben Werte und Ziele. Es ist schwer zu erklären, warum sich Dinge richtig anfühlen – sie tun es einfach, und das wissen wir sehr zu schätzen.“

Wie sehen die Vertriebsziele für das erste Jahr in Deutschland und Österreich aus?

„Wir haben große Träume und Ziele für unsere beiden neuen Märkte. Die allerersten Schritte sind jene, die unsere Markenbekanntheit unterstützen. In Italien, den USA und Russland kennt man unsere Marke bereits, in Deutschland und Österreich müssen die Menschen uns erst noch kennenlernen und anfangen, uns zu vertrauen. Das entsteht mit Zeit und Engagement. Wir möchten unsere Geschichte erzählen – die vor rund 50 Jahren in einer Garage begann und uns bis hierher geführt hat.“

Wie wollen Sie dieses Vertrauen aufbauen?

„Vertrauen ist die Grundlage für menschliche Beziehungen – und ebenso für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen. Mein Ziel ist es, den Kunden zu zeigen, dass sie mit Cuoieria Fiorentina echte Sicherheit haben: Sie müssen nicht zwischen Qualität und Style wählen. Unabhängig von ihren Bedürfnissen bieten wir immer das richtige Produkt, Unterstützung und einen verlässlichen Service.“

Welche Unterstützung erhalten künftige Handelspartner hierzulande, z.B. in Form von Visual Merchandising oder POS-Materialien?

„Jeder Retail-Partner wird individuell unterstützt. Wir haben ein Retail-Affiliation-Projekt mit auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Lösungen. Das Projekt umfasst verschiedene Optionen – von Logo-Aufklebern für kleinere, weniger flexible Flächen bis hin zu voll ausgestatteten Corners und Shop-in-Shop-Lösungen in warmen, einladenden Farben und mit Materialien, die unser Konzept widerspiegeln.“

Welche Rolle werden Fachmessen in Deutschland und Österreich spielen?

„Messen waren in der Fashion-Branche schon immer sehr wichtig und werden auch Teil unserer Wachstumsstrategie in den neuen Märkten sein. Dort können Brands ihre Neuheiten präsentieren, aber ebenso connecten und die richtigen Menschen persönlich treffen. Andererseits wissen wir aus Erfahrung, wie wichtig es ist, sich Zeit für jemanden zu nehmen, ohne von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Genau das passiert auf solchen Veranstaltungen häufig. Deshalb wählen wir bewusst den Ansatz, sowohl auf als auch jenseits von Messen persönliche Verbindungen aufzubauen.“

Gibt es Pläne, Sonderkollektionen oder exklusive Modelle für Deutschland und Österreich zu entwickeln?


„Unsere Geschäftsstruktur und Produktionsweise würden das möglich machen. Wir sind flexibel und gerne bereit, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen. Unsere Recherchen basieren jedoch auf einer Philosophie, von der wir glauben, dass sie auf allen Märkten geteilt werden kann. Wir möchten, dass diejenigen, die mit Cuoieria Fiorentina in Berührung kommen, nicht nur ein Produkt, sondern eine Story, eine Leidenschaft und eine Identität erleben. Ein authentischer Teil des täglichen Lebens der Menschen zu sein, ist unser eigentliches Ziel – unabhängig vom Markt.“

Sie verbinden Traditionshandwerk mit modernen Tools wie 3D-Prototyping. Wie wollen Sie die Balance zwischen Tradition und Innovation langfristig halten?

„Wir glauben, dass es bei uns nie an handwerklichem Know-how mangeln wird, dass es aber Vorteile hat, handwerkliche Techniken mit innovativen Tools zu kombinieren. Der Beitrag, den neue Innovationen für Unternehmen wie unseres leisten können, liegt sicherlich in der Prototypenphase, unterstützt durch KI und 3D-Prototyping. Das kann den Prozess der Fehlerreduzierung optimieren und gleichzeitig den Materialverbrauch begrenzen, wodurch ja auch Abfall reduziert wird. Innovation kann auch im Marketing und bei der Content Creation helfen – aber auch hier mit der richtigen Mischung. Wichtig ist der menschliche und persönliche Wert, den wir vermitteln und anderen zugänglich machen können. Die Entwicklung technologischer Plattformen kann sicherlich unterstützen, darf aber immer nur ein Hilfsmittel sein und niemals die Hauptrolle einnehmen.“

30% des Leders sind aktuell durch das Genuine Italian Vegetable-Tanned Leather Consortium zertifiziert – wie wollen Sie das Ziel von 50% bis 2030 konkret erreichen?

„Wir setzen große Anstrengungen daran, dieses Ziel zu erreichen, und sind fest davon überzeugt, dass es wichtig ist, unseren ökologischen Fußabdruck so weit wie möglich zu reduzieren. Indem wir das Angebot an Produkten mit diesen speziellen Materialien stetig erhöhen, glauben wir, dass wir dieses Ziel erreichen können. Die Eigenschaften des besonderen Gerbprozesses sind vor allem relevant für Rindsleder, ein Material, das tief in unserem Erbe verwurzelt ist. In den letzten Kollektionen haben wir zertifiziertes Leder für neue und moderne Formen verwendet und ‚bessere‘ Artikel geschaffen, die gleichzeitig stylisch sind – Win-Win!“

Das Portfolio ist zu circa 65% Damen, 30% Herren, 5% Unisex – gibt es Überlegungen, diese Aufteilung für den deutschen Markt anzupassen?

„Diese Prozentsätze sind eher als Richtwerte zu verstehen, da viele unserer Produkte Unisex konzipiert sind. Zum Beispiel werden all unsere Business- und Reiseartikel als Unisex betrachtet, auch wenn wir sie als Herrenprodukte klassifizieren. Auch all unsere Einkaufstaschen und großen Shopper, die wir als Damenartikel einordnen, sind bei Männern ebenfalls sehr beliebt. “

Die Marke wurde vor 48 Jahren gegründet – gibt es schon Ziele und/oder Pläne (bis) zum 50-jährigen Jubiläum? 

„Wir entwickeln uns stetig weiter und arbeiten auf verschiedenen Ebenen an unserem Fortschritt. Wir können es kaum erwarten, unser 50-jähriges Jubiläum zu erreichen, da dies ein großer Meilenstein für uns ist. Heutzutage ist es nicht einfach, den Herausforderungen, die der Markt mit sich bringt, entgegenzutreten. Wir stellen uns diesen nicht nur, sondern erweitern auch kontinuierlich unser Portfolio und entwickeln uns weiter, indem wir in neue Märkte eintreten – darauf sind wir stolz. Wir freuen uns sehr darauf, unser Jubiläum gemeinsam mit unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitenden zu feiern, die das Herzstück unseres Unternehmens sind.“

Vielen Dank für das Interview! 

FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN INHALT DIESER SEITE, MELDEN SIE SICH BITTE AN.

Noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt für den kostenfreien 1st-blue-Business Club.
Als Teil unserer Community erhalten Sie Zugriff auf Branchen-News, Orderinfos, Netzwerktools und den wöchentlichen B2B-Newsletter.