Frank Götz: „Firetrap hat sehr gute Sympathiewerte“

  /  29.06.2009

Firetrap wird in Deutschland seit mehr als einem Jahr von Country Manager Frank Götz gelenkt. Im Gespräch mit 1st-blue hat uns der 44-Jährige, der seit knapp 25 Jahren in der Fashion-Branche zu Hause ist, aufgeschlossen alle Fragen beantwortet, die wir rund um das Londoner Jeanswear-Label zu stellen wussten.

Vor über einem Jahr haben Sie in München die Leitung der deutschen Niederlassung von World Design & Trade Co. Ltd. übernommen und bekleiden seither die Position des Country Managers für die Marke Firetrap. Welches erste Resümee können Sie nach dieser Zeit für sich persönlich ziehen, welches für das Label?

„Für mich persönlich kann ich nur sagen, dass ich eine goldrichtige Entscheidung getroffen habe. Es macht Riesenspaß, bei Firetrap zu arbeiten. Nicht nur die Marke, sondern auch die Leute in der Company liegen mir sehr. Für mich ist es einfach wichtig, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich mich wohlfühle. Es ist eine seltene Gelegenheit und Herausforderung, mit solch großer Freiheit und Rückendeckung eine Organisation und Marke komplett restrukturieren zu können. Damit sind wir auch schon beim zweiten Teil der Frage: Es ist viel passiert. Bis auf eine Person ist niemand des alten deutschen Teams mehr dabei. Das Team selbst wurde nahezu verdoppelt. Wir haben unser Kundennetz bereinigt und stark an den Preisen und der Durchgängigkeit der Aussage in der Kollektion gearbeitet. Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen, haben aber den Boden bereitet und es geht vorwärts.“


Im Vergleich: Wo und wie ist Firetrap derzeit in Deutschland platziert, wo steht die Marke international?

„Firetrap ist in Deutschland sehr sauber und selektiv distribuiert. Wir liegen derzeit fast nur bei Independents. Natürlich geht da noch einiges mehr, aber daran arbeiten wir ja. International steht die Marke gut da, wobei der wichtigste und umsatzstärkste Markt nach wie vor UK ist. Aber zwischenzeitlich wird Firetrap in nahezu 30 Ländern, unter anderem Italien, Frankreich, Kanada und Russland, vertrieben. Wir starten gerade in Benelux und Skandinavien. Erklärte Strategie ist die weitere Internationalisierung mit Fokusmarkt Deutschland als Nummer eins.“


In welchen Läden liegt Firetrap besonders gut, gibt es eine Zielgruppe beim Handel? 

„Wir liegen immer da gut, wo noch – oder wieder – offen mit Mode umgegangen wird. Wir bewegen uns etwas außerhalb vom Einheitsbrei der immer wieder anzutreffenden Marken in den Stores. Nachdem in den letzten Jahren das Heil in der Sicherheit dieser Marken gesucht wurde, muss sich der eine oder andere jetzt anscheinend mal wieder in Richtung Vielfalt zurückorientieren.“


Was möchten Sie mit Firetrap auf dem hiesigen Markt noch erreichen?

„Bei aller Eigenständigkeit sind wir eine Volumenmarke. Eine Vervielfachung der Umsätze und Kundenanzahl ist noch locker drin. Allerdings immer im Hinblick auf ein sauberes Brand.“


Sie haben einmal gesagt, Firetrap habe vor allem im Denim-Bereich noch großes Potenzial. Wurde dieses Potenzial schon voll ausgeschöpft?

„Nein, weder auf unserer noch auf Marktseite. Wir sind gut vorwärts gekommen. Das Angebot hat sich extrem verändert, seit ich bei Firetrap angefangen habe. Wir sind hier sehr, sehr konkurrenzfähig geworden. Wir haben richtig coole Themen dabei, die das Potenzial zum Hotseller haben. Aber natürlich muss auch hier immer weiter gefeilt und verbessert werden. Auf der Marktseite deshalb nicht, weil wir insgesamt noch wachsen müssen. Der ganze Weg lässt sich innerhalb eines Jahres nicht schaffen.“


Zur aktuellen Wirtschaftslage: England ist von der Krise noch stärker betroffen als Deutschland. Hat das irgendwelche Auswirkungen auf Ihr deutsches Business?

„Wir waren Anfang des Jahres lieber etwas vorsichtiger, haben zum Beispiel die Pläne zur Erweiterung unseres eigenen Retails nach Deutschland erst einmal auf Eis gelegt. Nachdem die Company in UK nun abschätzen kann, dass wir nur in Teilbereichen von den Umwälzungen betroffen sind, gehen wir in unserer Planung vorwärts. Wir suchen bereits nach den richtigen Locations für ein bis drei Stores. Also insgesamt Entwarnung, auch wenn wir vernünftigerweise zwischendurch den Ball flach gehalten haben.“


Stellen Sie sich einmal vor, ich wäre Einzelhändler. Sie wissen, gute Kollektionen gibt es viele. Was aber ist das Besondere an Firetrap, warum lohnt sich für mich eine Order? 

„Da ist einmal die Möglichkeit, sich vom Wettbewerber zu differenzieren. Wie schon gesagt, Firetrap hat einen sehr eigenen Style, der aber trotzdem volumenfähig ist – extrem wichtig heutzutage. Da kann alles andere noch so toll klingen, wenn das Produkt nicht stimmt, hast du keine Chance. Die Marke hat sehr gute Sympathiewerte. ‚British’ kommt. Die wirtschaftlichen Eckdaten stimmen: 2,5er Aufschlag, vier Kollektionen mit gesplitteten Lieferterminen im Jahr, eine starke Company mit großer Marketingunterstützung im Hintergrund, ein Lager mit 24- bis 48-Stunden-Service und so weiter. Es gibt wenige wirklich große Firmen wie Firetrap auf dem deutschen Markt, die auch die Power haben, den Service und die Professionalität der Großen bieten können. Last but not least verstehen wir uns wirklich als Partner des Handels. Wir tauschen auch mal etwas um, wenn’s nicht läuft, oder versuchen, anderweitig zu helfen. Natürlich immer vorausgesetzt, die Partnerschaft läuft beidseitig und wir werden nicht einfach nur ausgenutzt.“


Den Gedanken weitergesponnen: Gehe ich als Einzelhändler ein Risiko ein oder ist das durch Firetrap abgedeckt?

„Nicht vollständig, das könnten wir nicht stemmen. Wenn wir uns allerdings zueinander bekennen und beispielsweise eine Shopfläche eröffnen, werden wir unsere Partner keinesfalls hängenlassen. Da könnte ich mir für eine Anzahl Kooperationen durchaus vorstellen, das Risiko komplett rauszunehmen.“


Was sind die Firetrap Trends für die Saison Frühjahr/Sommer 2010 und auf welchen Messen wird der Handel sie erstmals zu sehen kriegen?

„Firetrap ist subversiv und underground beeinflusst, eben typisch ‚born in London’. Ein Thema ist ‚Rebels and Misfits’. Schön gewaschene Teile in tollen Farben, weich, fließend und mit Liebe zu tragen. Von Motorbike im Denim-Bereich halte ich sehr viel. Wir waren damit früh dran und haben bereits sexy Girls-Styles mit eingearbeiteten Kniepanels und progressiver Nahtführung draußen. Mit Boyfriend Cuts sind wir ja schon ewig unterwegs, das ist unsere Heimdomäne. Rock’n’Roll in neuer Interpretation, bei den Jungs nicht mehr so prollig, bei den Mädels femininer. Wir waren schon auf der Pitti, gehen jetzt auf die Bread & Butter, dann auf die Jam, dann auf die CPH nach Kopenhagen.“


Warum diese Messen?

„Pitti ist wichtig, weil sehr früh und natürlich wegweisend für den italienischen Markt. Bread & Butter ist nun mal die Denim-Show Nummer eins. Wir als britisches Jeanswear-Brand haben mit der BBB bereits eine lange Tradition. Die Jam in Köln verstehen wir als eine sinnvolle Ergänzung mit dem etwas mehr nüchternen, businessorientierten Konzept. Die CPH ist neu für uns, da wir gerade in Skandinavien starten. Es kommen allerdings auch viele Deutsche hin, die gezielt nach Innovation abseits von Italien und LA suchen.“


Abschließend eine persönliche Frage: Sie blicken auf gut ein viertel Jahrhundert Berufserfahrung in der Textilbranche zurück und waren in der Vergangenheit für Firmen wie Esprit und Big Star tätig. Was sind für Sie die Pro’s und Con’s der Branche?

„Das große Pro an unserer Branche ist, dass es vermutlich keine weitere wie sie gibt. Ich bin darin aufgewachsen, da schon meine Eltern im wahrsten Sinne des Wortes in ihr gelebt haben. Sie hält einen auf Trab und man bleibt jung, keine Chance, in ausgetretenen Pfaden steckenzubleiben. Vor allem im jüngeren Zielgruppensegment. Natürlich sehe ich heute einiges abgeklärter als mit 18, als ich die Firma meines Vaters übernehmen musste. Aber es ist doch wohl einer der unkonventionellsten Bereiche, in denen man arbeiten kann. Das Con sind natürlich die Probleme, in der sich unsere Branche befindet. Der Markt ist eng und schwierig. Es gibt viele – sowohl in Industrie als auch im Handel-, die an ihre Grenzen stoßen und nicht weiter wissen. Es kann ermüdend sein, mit solchen Leuten arbeiten zu müssen. Aber andererseits versucht man ja, diesen Menschen weiterzuhelfen. Was dann wieder ein Pro wäre!“

 

 

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