Willkommen in der Matrix

  /  25.03.2015

In Zeiten technischen Fortschritts bleibt auch die Mode nicht verschont – wie viel NSA-Spielerei steckt jedoch bereits in unserer Kleidung? Zu viel, findet Lara Schotten...

Das neueste Touchscreen-Notebook auf dem Schoß, die aktuellste Variation des Smartphones in der Tasche, eine passende Smartwatch am Handgelenk: So scheint mittlerweile das technische Grund-Equipment eines cutting-edge Menschen aussehen zu müssen. Praktisch, clever und stylisch sollte es sein – man setzt schließlich auch mit derlei „Accessoires“ ein Fashion-Statement. Dass Mode und Technologie längst eine Symbiose technischer Raffinesse (oder aber chic getarnter Kontrolle) eingegangen sind, steht ergo außer Frage. Warteten einige bereits seit 1985 auf die Lancierung des Nike MAGs aus „Zurück in die Zukunft“, wurden Teenager-Träume im Jahr 2011 wahr: Das Modell, limitiert auf 1.500 Paar, wurde bis zu einem Höchstpreis von knapp 10.000 Euro über Ebay an Liebhaber mit offenbar prall gefüllter Brieftasche versteigert. Kostspieliger Dilettantismus oder aber ein Wunderwerk des Ingenieurwesens? Sowohl als auch: die Zukunft! Praktisch: wäre es aufgrund seiner selbst schließenden Schnürsenkel, die das Modell allerdings in der Form noch nicht vorzuweisen hatte. Clever: leuchtende Sohlen mit wieder aufladbarer Batterie für 3.000 Stunden Blinkfreude. Stylisch: selbstredend, weil Kult. Die schnell trocknende Jacke aus Robert Zemeckis Trilogie hat es bisher zwar noch nicht auf den (virtuellen) Ladentisch geschafft, dafür entwickelten kreative Köpfe bisher alternative modische Sci-Fi-Highlights.

So wollen zwei junge amerikanische Designerinnen noch in diesem Jahr einen Hoodie auf den Markt bringen, mit dem über bestimmte Bewegungen Kurznachrichten geschrieben und versandt werden können. Das gute Stück – Preis auf Anfrage – korrespondiert mit dem Kommunikationspartner via Transponder im Rücken. Praktisch: kaum. Wer garantiert für die richtige Rechtschreibung? Clever: Ja, gesetzt den Fall, man wäre als Actionheld in Gefangenschaft und müsste einen Hilferuf absenden. Stylisch: Ein Hoodie bleibt ein Hoodie. Interessanter wird es bei dem Kleid von Pauline von Dongen. 72 biegsame Solarzellen schmücken das Dress aus Leder und Baumwolle, eine Stunde in vollem Sonnenlicht versorgt selbiges mit exakt so viel Energie, um den Akku eines Smartphones um 50% aufzuladen. Praktisch: Es gibt bereits kleine tragbare Solarlader für Handys, man muss nicht selbst zur Ladestation avancieren. Clever: eher anders. Stylisch: tatsächlich ja. 

Bevor sich der Kreis mit den NSA-Schuhen von Adidas schließt, sei an dieser Stelle der Barbara Dex-Award für den imaginären Technologie & Mode-Contest vergeben: Das Flare Dress, ein Unikat aus dem Hause Ossevoort, konzentriert sich auf die Interaktion zwischen Technik und Umwelt. Getarnt als herkömmliches Kleid mit Blumenapplikationen, offenbaren sich selbige als LED-Lämpchen auf zarten Drähten, die mithilfe von dafür entwickelten Sensoren vom Winde verweht beginnen, zu leuchten. Praktisch: für Mittelpunktsafine. Clever: standpunktabhängig. Stylisch: für Barbie vielleicht. Ein weiteres sensororientiertes Kleidungsstück verfärbt sich beispielsweise dann, wenn das Gegenüber bei der Trägerin Nervosität auslöst. Ob praktisch, clever oder stylisch: ein Alptraum! Ein ähnlich unnötiger Ansatz findet sich in jenen Styles, die mit Sensoren plus Lautsprecher versehen sind und im Falle einer Berührung Zitate rezitieren. Praktisch: eine kostenlose Rainer Maria Rilke-Lesung. Clever: nein, eher ein unangenehm aufdringlicher Kulturschock! Stylisch: spielt bei dem Beiwerk keine Rolle.

Bleibt also noch die versprochene Überwachungstechnologie des Herzogenauracher Sportartikelkonzerns, die so genannte Near Field Communication. Kurz zusammengefasst hacken kleine eingebaute Computer in den Sneakers unsere Laufrouten sowie Spazierwege und senden „mehr Informationen, wo und wie Kunden den Artikel benutzen“. Praktisch: Für wen? Clever: Werden wir nicht bereits genügend überwacht? Stylisch: nicht beantwort-, da unsichtbar. Wohin gehen jedoch diese Daten, wenn sie erst einmal im World Wide Web kursieren? Wird lediglich „unsere Nähe zum Produkt“ bewertet oder der Träger als Maxi-Mii in seinem persönlichen Alltag? Wenn der angebliche Fokus auf nach individuellen Belangen auf mich zugeschnittener Kleidung liegt, löst dann künftig Mess- die Maßanfertigung ab? Und zu guter Letzt eine rein praktische, clevere und auch den Stilaspekt künftiger Hightech-Kleidungsstücke betreffende Frage: Sind sie waschbar? Falls nämlich nicht, handhabe ich es einmal mehr überzeugt wie Vodafones aktueller Werbecharakter: „Sonst gibt’s ein Big Dislike!“

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