Perfektionismus in Perfektion?

  /  04.11.2013

Einen Menschen machen seine kleinen Ecken und Kanten erst zu der Person, die er ist. In Zeiten, in denen der Vintage-Oversized-Look hoch im Kurs steht, darf auch Kleidung kleine konstruierte „Makel“ haben. Gegenbewegung: der „Perfect fit“. Aber können wir überhaupt perfekt? Ein Kommentar von Kristina Arens...

So wie man von Messeveranstaltern auf die Frage nach dem Verlauf der Veranstaltung gerne die Antwort bekommt „Alle wichtigen Einkäufer waren da, die Besucherzahlen sind gestiegen, alles war perfekt!“, vernimmt man letzteres Adjektiv auch gefühlt nonstop an den Ständen der Brands. Die Bluse hat den perfekten Schnitt, das Shirt die perfekte Farbe und die Shorts die perfekte Länge. Kann man diesen Euphemismus hier noch subjektiv auffassen, gibt es bei etlichen Marken letztlich aber in der Regel ein Modell einer Jeans-, Stoff- oder jeglichen anderen Hose oder aber sogar gleich eine ganze Kollektion, das oder die sich mit dem schönen und doch bitte als objektiv zu betrachtenden Titel „Perfect fit“ schmückt. Nun sollte man bedenken, was „perfekt“ eigentlich bedeutet: „frei von Mängeln, vollkommen“ – und damit wären wir beim Thema.

Was kürzlich schon für die so genannten „Premiumlinien“ galt, ist in ähnlicher Art und Weise auch für den „Perfect Fit“ Usus. Marketing lautet selbstredend das Stichwort – und das mit Erfolg. Denn wer hätte nicht gerne Pants, die Problemzonen bestens kaschiert sowie an den richtigen Stellen strafft und ein paar Kilogramm weg- oder auch hinzumogelt? Würde es diesen „Perfect Fit“, natürlich geeignet für alle Frauen, egal mit welcher Figur, wirklich geben – wieso dann je wieder andere Hosen tragen? Wenn mit ihnen doch die Schenkel schlanker, die Hüfte schmaler und der Po wohlgeformter wirken? Fitnessstudio war gestern, „Perfect Fit“ ist heute. Diät – warum denn, wenn Frau die perfekte Figur, zumindest was den Part des Körpers unterhalb der Gürtellinie betrifft, einfach mit dem Überstreifen einer Hose bekommt.

Seien wir doch mal ehrlich, eine Hose kann noch lange keine Wunder vollbringen. „Super Stretch Denim“ hier, „unterstützend positionierte Taschen“ dort, das Ausmessen der „Curve“ im Store oder noch absurder der Online-Check des eigenen „Perfect Fit“ – eine Tendenz mag sich hier ableiten lassen, das steht außer Frage, aber manche Begriffe dürften einfach gerne mal etwas weniger inflationär benutzt werden. Ich würde mich aber vom Gegenteil überzeugen lassen, das wäre perfekt.

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