Öfter mal was Neues, oder eben nicht!

  /  05.11.2014

Aufklärungsreportagen gibt es viele, aufgeklärt ist man danach selten. „Die billige Masche von H&M“ wollte selbiges tun. Und versagte, findet Lara Schotten…

Das Thema dieses Kommentars: die Rolle der bösen, nichtsnutzigen europäischen Textilbranche. Da mir dieses Topic sehr am Herzen liegt, konnte auch ich mich der Enthüllungsstory des ZDF unter dem Eyecatcher „Die billige Masche von H&M“ nicht verwähren. Unglaubliches wurde während dieser Reportage zutage gefördert – neben überholten Verurteilungen, veralteten Weisheiten und gefährlichem Halbwissen sogar mit „Zeuginnen“, die in ihren Burkas in einem abgedunkelten Raum gekonnt mit nur einem einzigen Satz („Ich habe Angst, unter Trümmern begraben zu werden.“) in Szene gesetzt wurden.

Es kam noch besser. Das Expertenteam besuchte eine Fabrik in Bangladesch, vor welcher es ganz zufällig unzählige Etiketten des Unternehmens fand. Die liegen „hier einfach so rum“, lautete das wie gespielt wirkende Entsetzen. Von grandiosem Intellekt zeugte auch folgendes Zitat: „Ich glaube, sie zahlen nicht genug.“

Gesammelte Erkenntnisse der vergangenen Monate, die daraus erfolgte Gründung eines Konsortiums zur Bekämpfung widriger Arbeitsbedingungen in Bangladesch und das Einrichten eines Fonds für die Opfer des Rana Plaza-Einsturzes hatte es offenbar gar nicht gegeben, von aktuellerer Dringlichkeit war die Frage: „Wie sieht die Welt von H&M wirklich aus?“ Diese konnte nur ein Stop-by in einer ausländischen Unternehmensaußenstelle beantworten. Dort erhielten die Reporter, obwohl man sich die Mühe machte, keine Akteneinsicht. Und das trotz des Fehlens jeglicher Berechtigung. Frappierend! „Entlarvt“ wurde hier gar nichts, sondern generalisiert. Verantwortung haben alle Unternehmen, alle Menschen, weltweit. Das Reportagen-Fazit war allerdings ein anderes: H&M ist die Wurzel allen Übels!

Primär konnte dieser Beitrag nach dem nunmehr einjährigen Medienrummel um die Geschehnisse von Bangladesch: nichts. Wollte man aufklären? Das war spätestens seit der Nachberichterstattung ab April 2013 nicht mehr nötig. Schockieren? Ohne den Grad der Tragödie schmälern zu wollen: Wie oft denn noch? Beschuldigen?! Sündenbock H&M kennt es schließlich nicht anders, als das toto im pars pro toto der bösen Textilindustrie zu sein. Ich sehe eine deutliche Konkordanz zum Schaffensprozess Viktor Frankensteins. Zusammengeschustert aus ein paar Halbwahrheiten, ein paar uralten Erkenntnissen, generell aber nur dem, was dem erwünschten Endergebnis zuträglich ist, entstand: ein Monster.

Die am Folgetag der Ausstrahlung eintrudelnde Pressemitteilung, laut derer CEO Karl-Johan Persson (wieder einmal) einen Preis für seine Dienste in Sachen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und sozialem Engagement erhalten hatte, löschte ich selbstverständlich umgehend. Die unerhörten Gut(en)Menschen aber auch immer!

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