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Sind T-Shirts bald essbar?  /  19.09.2010

Muss es eigentlich immer Baumwolle sein? Wie wäre es denn mit einem T-Shirt aus Brennnesseln oder Milchproteinen? Oder mit einem Top aus Bambusviskose? Auch auf Krokodilleder kann jetzt dank Lachshaut verzichtet werden.

Fin

Nanai

Nanai

Nanai

Ksia

Bleed

Bleed

Bleed

Vilde Svaner

Vilde Svaner

Vilde Svaner

Ein neuer Trend macht sich innerhalb der Eco-Fashion breit: Die Rede ist von exotischen Fasern und ungewöhnlichen Materialien, was nicht nur spannend, sondern in Sachen Nachhaltigkeit absolut wünschenswert ist. Da macht das Shoppen mit gutem Gewissen gleich noch mehr Spaß. Zwar springen immer mehr Unternehmen auf den Eco-Zug auf und dehnen ihr Sortiment an Klamotten aus Organic Cotton aus, jedoch ist das nicht des Pudels Kern. Bio-Baumwolle ist zwar schön und gut, aber nicht unbedingt die ultimative Lösung für unsere Umwelt-Probleme. Denn obgleich ohne Pestizide angebaut, sind die Stauden extrem wasserbedürftig und verbrauchen enorme Ressourcen. Daher gilt es Alternativen zu finden, wobei hier der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Und überhaupt hatte Baumwolle nun mittlerweile lange genug die Vorherrschaft. Es wird Zeit, dass etwas Neues ins Rampenlicht tritt...

Mittlerweile gibt es zahlreiche grüne Brands, die derselben Meinung sind und sich in puncto Stoff- und Materialinnovationen durchaus kreativ zeigen. So experimentiert das norwegische Label Fin beispielsweise mit Stoffen aus Milchproteinen, Vilde Svaner hingegen hat in seiner ersten Kollektion Brennnesselstoff eingesetzt, musste das Projekt aber leider vorerst wieder einstellen. Denn obwohl der Anbau möglich und ökologisch sinnvoll wäre, ist das Angebot an Brennnesselstoff in Deutschland einfach zu gering. Übrigens: Aus diesem Grund hat Vilde Svaner zunächst umdisponiert und recycelt derzeit alte Herrenhemden für die Kollektion. Das Streetwear-Brand Bleed verwendet unter anderem Kapok, eine natürliche Hohlfaser aus den Früchten des Kapokbaums. Die Kapokfaser gilt als besonders leicht, luftdurchlässig, dehnbar und wasserabweisend, eigentlich optimale Vorraussetzungen für ein lässiges Shirt, oder? Auch Bambus-Viskose zeichnet sich neben ihrem weichen Hautgefühlt durch Eigenschaften wie Atmungsaktivität und antibakterielle Effekte aus – nützlich besonders im Bereich Sportswear. Spannende Entwicklungen gibt es auch im Bereich Leder: Neben Labels wie Ksia, das pflanzlich gegerbtes Napparindsleder verwendet, hat Nanai zum Beispiel einen Weg gefunden, durch einen mehrstufigen umweltschonenden Prozess aus Lachshaut ein hochwertiges und exotisch anmutendes Leder herzustellen. So könnten bald Taschen und Schuhe aus dem einstigen Abfallprodukt Lachshaut durchaus dem Pendant aus Schlangen- oder Krokodilleder den Rang ablaufen.

Fakt ist, dass es für die Entwickler noch viel zu tun gibt, denn bisher werden die verschiedenen Materialien nur anteilig mit anderen wie Bio-Baumwolle gemischt. Aber egal ob Brennnessel oder Lachshaut, Möglichkeiten und Rohstoffe gibt es viele. Einige warten noch auf ihre Entdeckung, manche müssen noch entwickelt und andere ausgereift werden, woran zweifelsohne derzeit viele kluge Köpfe arbeiten. Hier dürfen wir in Zukunft bestimmt noch auf einige spannende Errungenschaften stoßen. Warum nicht auch eine Denim aus Mohn oder ein Kleid aus Raps? Und wer weiß, vielleicht bekommt „Süßholz raspeln“ demnächst eine ganz neue Bedeutung...


Daphne Kediri

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