„Die Leute müssen ran ans Produkt!“

  /  14.08.2008

In Mönchengladbach weht viel frischer Wind, so scheint es. Denn nicht umsonst hat das Label Alberto immer einen Trumpf aus dem Hosenbein zu schütteln. So zum Beispiel die überraschende Teilnahme an der jüngsten Bread & Butter Barcelona oder aber der Launch einer iPhone-optimierten Website. Marco Lanowy, Geschäftsführender Gesellschafter von Alberto, hat 1st-blue einen genauen Blick hinter die Kulissen des Hosenspezialisten werfen lassen.

Herr Lanowy, Sie sind bei Alberto Anfang 2001 als Retail Manager gestartet und haben ihre aktuelle Position als Geschäftsführender Gesellschafter für die Bereiche Retail und Marketing seit nunmehr fast drei Jahren inne. Was genau ist es, das die Marke Alberto für Sie immer noch so spannend macht?

„Mich reizen Produkte und Menschen, die über einen frischen Geist verfügen, eine interessante Geschichte haben und einfach authentisch sind. Solche Produkte haben Potenzial und können meiner Meinung nach viel bewegen. Genau das ist es, was ich auch bei Alberto sehe: Mit dieser Marke sind wir noch lange nicht dort, wo wir hingehören – aber wir sind auf dem besten Wege dorthin, bei uns tut sich eine ganze Menge.“


Dass sich bei Alberto eine ganze Menge tut und das Unternehmen immer wieder für eine Überraschung gut ist, hat unter anderem der spontane Auftritt auf der Bread & Butter in diesem Juli gezeigt. Mit welcher Intention sind Sie nach Barcelona gereist, mit welcher Erkenntnis abgereist?

„Zunächst einmal: Das Konzept der Bread & Butter ist genial und einzigartig. Die Veranstaltung ist gesund gewachsen und gibt dem Markt jede Saison aufs Neue die richtigen Impulse. Gleichzeitig sorgt das Event aber auch für Reibung – und das ist gut, denn Reibung gehört dazu. Uns hat es großen Spaß gemacht, dabei zu sein. Wir hatten das Gefühl, mit unserer farbenfrohen Golf-Kollektion, die wir vor Ort präsentiert haben, eine Lücke füllen zu können. Allerdings wurden wir von Besucherseite häufig nach unserem Kernprodukt gefragt, weshalb ich mir gut vorstellen kann, erneut in Barcelona auszustellen – dann vielleicht mit einem Mix beider Kollektionen. Für unsere B&B-Premiere aber war es genau die richtige Entscheidung, auf Alberto Golf zu setzen. Die Linie, mit der wir 2005 gestartet sind, hat sich bestens entwickelt und der Marke dabei geholfen, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Bis dato konnten wir für Alberto Golf mehr als 380 Kunden weltweit gewinnen.“


Wie schaut’s dagegen mit dem Messestandort Düsseldorf aus? Mal abgesehen davon, dass sich ein Mönchengladbacher Unternehmen der unmittelbaren Nachbarschaft sicherlich in gewisser Weise verpflichtet fühlt, was spricht konkret für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt?

„Düsseldorf ist hierzulande die Stadt mit den meisten Showrooms. Dieser Fakt birgt erst einmal viel Potenzial. Die Igedo Fashion Fairs und die Halle 29 profitieren von der Frequenz in den Showrooms und umgekehrt. Allerdings könnte ich mir den Rahmen der Messe – ich spreche hierbei aus Alberto-Sicht von der HMD – anders vorstellen, das Gelände in Düsseldorf ist vielleicht fast etwas groß und nicht emotional genug. Die Modefabriek in Amsterdam könnte da ein Vorbild sein. Von der Veranstaltung war ich sehr angetan, vor allem die Hallenarchitektur hat mich angesprochen, das wäre vielleicht auch etwas für uns!“


Zurück nach Mönchengladbach: Vor über zwei Jahren fand das Richtfest des so genannten Alberto Logistik Skyline Centers statt. Was hat sich hier, im weltweiten Headquarter der Marke, in der Zwischenzeit getan?

„In Mönchengladbach arbeiten auf einer Fläche von 9.400qm mittlerweile 78 Leute – alle für ein Produkt. In Alberto steckt also jede Menge Herzblut drin! Ich sage immer: Hier wird Hose gedacht, gelebt und geatmet. Die dritte Etage, unser ‚Skyline-Stockwerk’, steht derzeit noch leer. Die Geschäftsführung – Herr Walendy und ich – haben unsere Büros in der ersten Etage, wo unter anderem auch Showroom und Customer Service untergebracht sind. Im EG erfolgen die Versandvorbereitungen, Alberto beliefert von hier aus etwa 2.300 Kunden in 42 Ländern– inklusive Deutschland. Unser Fertigwarenlager, ebenfalls im EG, zählt etwa 80.000 bis 90.000 Hosen. Weiterhin haben wir ein Kundenlager, das den zweiten Stock einnimmt. Im ebenerdigen Untergeschoss findet sich das Zutatenlager, und im hauseigenen Labor werden Stoffe zum Beispiel auf Reißfestigkeit getestet. Auch das Kreativteam hat derzeit noch seinen Platz in diesem Bereich, wird innerhalb des nächsten Jahres aber voraussichtlich in das ‚Skyline-Stockwerk’ ziehen."


2.300 Kunden in 42 Ländern – das ist nicht gerade wenig. Welche Länder sind am stärksten?

„Neben unserem Kernmarkt Deutschland, wo wir etwa 48% unseres Gesamtumsatzes tätigen, ist Alberto vor allem auch in Skandinavien, den Benelux-Ländern, Österreich, der Schweiz, Russland, USA und Kanada beliebt. Wir sprechen hier von einem Passformkonsummarkt: Alberto wird vom Endverbraucher als authentische, zuverlässig Marke geschätzt. Fertigen lassen wir unsere Produkte hauptsächlich in Tunesien, Polen und der Türkei. Lediglich unsere Japan Denims werden in Fernost auf authentischen Webstühlen produziert.“


Wie sieht’s konkret in Deutschland aus: An wie vielen POS ist Alberto derzeit zu finden?

„Auf dem hiesigen Markt zählen wir rund 1.200 Points-of-Sale, darunter 400 Flächen sowie etwa 50 Shops, in denen wir mit einer spezifischen Rückwandlösung vertreten sind, der Rest sind Multilabelkunden. Auf den Flächen arbeiten wir mit speziellen Tischen, die inklusive Laufzone gerade mal 6qm einnehmen, dabei aber bis zu 240 Hosen Platz bieten. Die bereinigte Fläche beläuft sich auf lediglich 2qm, womit die qm-Leistung dieser Tische, von denen derzeit 600 Exemplare im Einsatz sind, bei 10.000 Euro liegt. Wir geben dieses Modul gerne in die Shops, wobei es natürlich immer auch eine Konzeptfrage ist – je nachdem, was der Händler verkraftet. Neben dem Tisch stehet außerdem unser ‚Hangman’ sowie – ganz neu – zur Präsentation der Alberto Golf-Kollektion, unser ‚Bagman’ zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Cartbag mit acht Stangen, an denen sich unsere Golf-Hosen anbringen und demonstrieren lassen. Der ‚Bagman’ geht jetzt im Herbst erstmals in den Handel. Unsere Innovationen am Produkt werden also auch am POS dargestellt.“


Kommen dabei auch Visual Merchandiser zum Einsatz?

„Ja, allerdings heißt diese Position in unserem Unternehmen Custom Manager. Die Custom Manager, aufgeteilt auf die Bereiche Nord, Mitte, Süden, sollen dafür sorgen, dass unsere Flächen wachsen. Denn wir versuchen, uns mit unserer Zielgruppe zu modernisieren, uns mit ihr zu entwickeln, dabei aber trotzdem authentisch zu bleiben. Zudem umfasst unsere Kollektion mehr als 100 Hosen, die sich pro Saison durch unsere drei Sortimentssparten und die drei unterschiedlichen Passformen immerhin in insgesamt 1.400 verschiedenen Möglichkeiten ordern lassen. Darüber hinaus organisiert Alberto die unterschiedlichsten Verkaufsevents – auch hierbei werden unsere Custom Manager eingesetzt, zum Beispiel im Rahmen unserer Aktion „Verkäufer zu verschenken“. Hier übernimmt der Custom Manager die Funktion des Verkäufers für ein Wochenende. Die Leute müssen ran ans Produkt, und dazu bedarf es einer fachkundigen Führung.“ 


Vom Custom Manager zum Customer Service: Wie betreut Alberto seine Kunden im Detail?

„Unser Betreuungsservice am Kunden teilt sich auf in die Premium Concept Kundenbetreuung und den Customer Service. Die erst genannte Art des Supports meint die systematische Betreuung, zum Beispiel durch gesteuerte Daten. Wir sehen das als Dienstleistung am Einzelhandel, zusammen wollen wir uns Ziele stecken. Im Moment werden 34 Kunden von uns auf diesem Wege unterstützt. Der Customer Service hingegen bezeichnet die telefonische Kundenbetreuung, die bald auch auf allen internationalen Ebenen eingeführt werden soll.“


Besteht für Händler beispielsweise auch die Möglichkeit, in einem B2B-Bereich online nachzuordern oder den Versandstatus ihrer Ware zu verfolgen?

„Nein. Hier schätzen wir den persönlichen Kontakt zum Kunden via Telefon – ein Anruf genügt. In einem rein automatisierten Arbeiten sehe ich die Gefahr, dass der eigentliche Handlungsprozess verloren geht. Für Innovationen sind diese Kanäle bestens geeignet. Auch wir haben uns diese schon zunutze gemacht, indem wir zum Beispiel eine eigene, iPhone-optimierte Website entwickelt haben. Warenwirtschaft aber muss auf anderem Wege erfolgen. Hier haben wir eigens für die EDI Betreuung personell aufgerüstet.“

 

 

FÜR DEN VOLLSTÄNDIGEN INHALT DIESER SEITE, MELDEN SIE SICH BITTE AN.

Noch kein Mitglied?

Dann registrieren Sie sich jetzt für den kostenfreien 1st-blue-Business Club.
Als Teil unserer Community erhalten Sie Zugriff auf Branchen-News, Orderinfos, Netzwerktools und den wöchentlichen B2B-Newsletter.